Gristede Wer in unseren Breitengraden das Wort Klezmer hört, denkt sofort an Giora Feidmann oder das Orlowski-Trio. Und das nicht zu Unrecht, denn sie waren es, die diese Musikrichtung aus dem osteuropäischen Judentum in Westeuropa halbwegs populär machten. Im Rahmen der Reihe „Musikalischer Sommer in Ostfriesland“ stellte sich jetzt auf dem Gristeder Gut Horn die Gruppe „Klezmer Reloaded“ vor.

Es waren dies Maciej Golebiowski auf der Klarinette und Bassklarinette und Alexander Shevchenko auf dem Bajan, einem osteuropäischen Knopfakkordeon. Beide stammen aus Osteuropa und sind mit jiddischer Klezmermusik aufgewachsen. Für Mitteleuropäer ist diese Art des Musizierens, besonders die des Klarinettenspiels, ungewöhnlich, aber in der Konzertmusik Gustav Mahlers hörbar, und Leonard Bernstein wünschte sich bei seinen Mahlerkonzerten immer diesen unverkennbaren Klang von seinem Orchester.

So war es folgerichtig, dass die beiden Musikanten auch bei ihm Anleihen machten und aus Mahlers Liederzyklus vom „Fahrenden Gesellen“ das Lied „Die 2 blauen Augen von meinem Schatz“ klezmermäßig vortrugen. Vermutlich hätte Mahler ebenso wie das Publikum seine Freude daran gehabt. Auch zwei Präludien von Chopin ­– dem jüngst verstorbenen Festivalgründer Wolfram König gewidmet – wurden zu Gehör gebracht. Selbst Wagners Tannhäuser wurde mit der lakonischen Bemerkung, ob Wagner und Klezmer wohl zusammen passen würden, interpretiert.

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Aber nicht nur klassisches Musikgut war zu hören. Mal war die Musik elegisch und träumerisch, dann wieder zupackend und vital swingend mit jazzhaften Skalen und vielen rhythmischen Elementen, um danach wieder kinderliedartig und volksliedmäßig zu klingen. Eine große Bandbreite der Musikwelt wurde geboten. Beide Musiker beherrschten ihre Instrumente meisterhaft. Pech hatte nur der Bajanspieler, dessen Instrumentengurt für die linke Hand mehrfach riss, was von beiden Solisten aber verbal mit großem Charme meisterhaft überspielt wurde.

Zum Schluss brachten die beiden sympathischen Solisten das Publikum zur Freude aller Anwesenden noch zum Mitsingen des Liedes „Meister Jakob“. Nach einigen Zugaben und etwa zweieinhalb Stunden Konzertdauer waren sich dann die schweißgebadeten Musiker und das sehr zufriedene und ebenfalls unter der Hitze leidende Publikum einig, es gut sein zu lassen, um dann in die erhoffte aber nicht vorhandene Abendfrische zu gelangen.

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