Edewecht /Berlin Als Anica Russo in die Grundschule ging, schrieb sie ihren ersten eigenen Song auf der Gitarre. „Mein Traum“ hieß das Stück, und es beschreibt genau das, was die junge Edewechterin gerade erleben darf. „Es ging darum, vor Tausenden von Leuten auf der Bühne zu stehen und zu singen“, blickt die 19-Jährige zurück. Festgehalten hat sie ihre Erinnerungen aus dieser Zeit in Diddl-Büchern. Diddl-Mäuse waren damals der Mega-Trend unter Heranwachsenden.

Anfrage von „The Voice Kids“ abgelehnt

Anica Russo ist keines dieser Kunstprodukte der Musikbranche – sie hat jede Menge Talent, sie hat eine variable, kräftige Stimme, und sie hat vor allem Zweierlei: Ideale und einen eisernen Willen. Vor einigen Jahren hätte die Wahl-Berlinerin noch den vermeintlich einfacheren Weg gehen können, doch das tat sie nicht: „Ein Scout von ’The Voice Kids’ hat angefragt, ob ich nicht mitmachen möchte“, erzählt Russo, „doch ich wollte meinen eigenen, den wahrscheinlich härteren Weg gehen“.

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Dass es nicht einfach ist, nur mit Gitarre und Gesang auf sich aufmerksam zu machen, wusste sie da längst. Mit elf hatte sie begonnen, Videos mit ihren Songs im Internet zu veröffentlichen. „Ich wollte so eine berühmte Youtuberin werden“, sagt Anica Russo und lacht über ihr jüngeres Alter Ego.

Vor 7000 Menschen in der EWE-Arena

Sie wurde Straßenmusikerin, spielte ihre Songs drei Jahre lang in Oldenburg, tingelte über Stadtfeste. Da war sie gerade 13 Jahre alt und verteilte aus dem geöffneten Gitarrenkoffer ihre Visitenkarten. Am Ende wurden ihre Mühen belohnt: Mit 16 stand sie vor 7000 Besuchern bei „Classic meets Pop“ auf der Bühne der EWE-Arena. „Irgendwann ist es so, dass Leute auf einen aufmerksam werden, die wiederum die richtigen Leute kennen“, formuliert Russo ihren Weg zum Erfolg. „Kontakte sind das Allerwichtigste, aber man muss auch ständig vor vielen Menschen Musik machen, um die richtigen Leute kennenzulernen.“ Das Internet, so Russo weiter, mach das alles ein klein wenig einfacher.

Im Jahr 2016 nahm ihre Karriere schließlich richtig Fahrt auf: „Ich habe meine Produzenten aus Berlin kennengelernt und wir haben uns super verstanden“, erzählt die Sängerin, die schon mit fünf Jahren Gitarre lernte. „Besonders cool war aber, dass die meine Songs gut fanden.“ Denn ihr ist wichtig, dass sie die Songs, die produziert werden, aus ihrer Feder stammen.

Seitdem hat sich viel getan bei Anica Russo. Sie machte eine kleine Support-Tour mit Gil Ofarim, stand im Vorprogramm von Alex Aiono in Hamburg auf der Bühne und blickt nun ihrer ersten Deutschland-Tour entgegen, die im April beginnt und auf der sie den dänischen Musiker Hugo Helmig begleitet. Kurz zuvor erscheint Russos erstes Mini-Album, die EP „Felicity“ mit fünf Songs, allesamt in englischer Sprache, produziert von Universal Music. Darauf ist unter anderem ihre neue Single „Get this done“ zu finden.

Gutes Songwriting

Musikalisch ist Anica Russo äußerst wandlungsfähig. Sie kann gefühlvolle und nachdenkliche Stücke genauso überzeugend präsentieren wie euphorische und tanzbare Nummern. Mit gutem Songwriting vermag sie es, Ohrwürmer zu erschaffen, die sich mit Widerhaken im Gehörgang festkrallen.

Dabei verzichtet sie auf 0815-Harmonien, sondern mischt interessante Melodien mit anspruchsvoller Rhythmik. Und Russo besitzt ein besonderes Talent: Allein mit ihrer Gitarre und ihrer Stimme kann sie eine Bühne bespielen und das Publikum in ihren Bann ziehen, weil sie es schafft, Nähe zu erzeugen.

Und was wünscht sich eine junge, aufstrebende Künstlerin, die nebenbei an der Universität der Künste noch Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert? „Ich möchte touren und auf der Bühne stehen“, sagt Russo und kommt ins Schwärmen. „Auf der Bühne bin ich so fokussiert, so im Moment, so präsent – das ist die wahrste Version von mir selbst.“

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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