Apen „Unsere Kirchengemeinde wurde auch schon von einer Gruppe aus dem ostfriesischen Rysum besucht, aber Ansprüche an unsere Kirchenglocke haben sie nicht geltend gemacht. Ohnehin ist die Tat doch längst verjährt“, lacht Apens Pastor Peter Kunst.

Zu Rysum nahe Emden hat die lutherische Kirchengemeinde Apen eine besondere Beziehung: Die größere der beiden Klangkörper aus dem Aper Glockenturm stammt aus Ostfriesland und ist Kriegsbeute. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) hatten Soldaten des Grafen von Mansfeld die wertvolle Bronzeglocke, die 1621 gegossen worden war, ins Ammerland gebracht. „Zunächst wurde die Glocke im Sand vergraben, weil sie den flüchtenden Truppen zu schwer geworden war und weil man sie vor den Verfolgern gut verstecken wollte“, berichtet Kunst. Zufällig sei sie dann eine ganze Zeit lang später wieder gefunden und schließlich im Glockenturm aufgehangen worden.

Die Rysumer Glocke, die den Ton „f“ erklingen lässt, ist die größere der beiden Aper Kirchenglocken und hat einen Durchmesser von 118 Zentimeter. Ein Spruch wurde auf Mittelhochdeutsch eingraviert, der ins heutige Deutsch übersetzt soviel heißt wie „Weil ich gegossen bin, so rein, dazugegeben groß und klein, wenn ihr hört meinen Schall, bitt’ ich, kommt von überall“.

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Wesentlich älter als die Rysumer Glocke ist die kleinere Glocke, die einen Durchmesser von 113 Zentimetern hat und den Ton fis hat. Sie stammt aus der Zeit um 1350, gehört zu den ältesten Glocken in Norddeutschland und trägt die Inschrift „Tote beweine ich, Unheil meide ich, Feste verschönere ich, Catharina heiße ich“. Die Glocke trägt das Bildnis der Heiligen Katharina und heißt deshalb Katharinenglocke. Geläutet wird das Aper Glockenduo schon längst nicht mehr durch Muskelkraft, sondern seit Jahrzehnten durch eine Elektroanlage.

Nicht nur die Aper Glocken sind jahrhundertealte Kulturschätze, auch die aus dem Jahr 1239 stammende St. Nikolaikirche und der separat stehende Glockenturm, in dem die beiden insgesamt 1350 Kilogramm schweren Glocken hängen. Der steinerne Glockenturm stammt aus dem Jahr 1497.

„O ewig ist so lang, dieser Toren ist erbaut 1197“ steht jedoch kaum lesbar über dem Torbogen. „Die Jahreszahl 1197 stimmt nicht“, erläutert Pastor Peter Kunst, denn das hieße ja, dass es einen Glockenturm in Apen über 40 Jahre vor dem Bau der St.Nikolai-Kirche gegeben habe. Obendrein weise der Jahreszahlenstein im Turm in lateinischen Ziffern auf das Jahr 1497 hin. Durch Witterungseinflüsse sei im Schriftzug des Torbogens wohl ein Querstrich abhanden gekommen, so dass aus einer 4 eine 1 geworden sei. Sichtbar werden soll der Schriftzug nach einer geplanten Turmsanierung: „Die Farbe bröckelt, wir wollen möglichst noch in diesem Jahr den Turm wieder herrichten lassen“, so Kunst.

Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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