Edewecht /Löningen Abspann für Edewechter Kinotechnik: Zwei große 35-mm-Projektoren der Reihe Ernemann IX, die in einem eigenen Raum hinter der Bühne des Edewechter Rathaussaales standen, wurden am Dienstag von Mitgliedern des Vereins „Kinotechnische Sammlung Dr. Heinz Dobelmann“ in Löningen abgebaut und in den Landkreis Cloppenburg transportiert.

Sammlung ergänzen

„Wir freuen uns sehr, dass wir diese beiden beiden historische Filmvorführgeräte erhalten, die unsere Löninger Sammlung ergänzen werden“, sagte der Löninger Vereinsvorsitzender Gerd-Dieter Sieverding. „Wir beabsichtigen, anhand unserer rund 70 Maschinen die einzelnen Entwicklungsschritte von 120 Jahren analoger Kinotechnik vorzustellen und da passen die Edewechter Modelle hervorragend hinein.“ Beide Edewechter Projektoren seien, so ergänzen Paul Mastall und Pascal Theilmann, die sich am Dienstagvormittag an den Abbauarbeiten beteiligten, nach entsprechender Wartung voll funktionsfähig.

„Im Zuge der geplanten Erweiterung des Edewechter Rathauses und des damit einher gehenden Umbaus des Rathaussaales haben wir uns auch Gedanken gemacht, was mit den beiden Kinofilmprojektoren geschehen soll“, sagt Wiebke Bley aus dem Fachbereich „Innere Dienste“ bei der Gemeinde Edewecht. Fachlichen Rat habe sie sich bei dem Westersteder Reiner Hobbie geholt, der viele Jahre im Westersteder Kino ehrenamtlich gearbeitet hatte und selbst Kinotechnikfan sei.

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Projektorenschwemme

Wie Reiner Hobbie zur NWZ  sagte, gäbe es seit 2013 keine Rollenfilme mehr, sondern die gesamte Filmindustrie produziere digital. Somit würden Projektoren wie Ernemann IX nicht mehr benötigt. In Deutschland gäbe es eine regelrechte Projektorenschwemme. Es sei ein Glücksfall, dass die Löninger die Edewechter Geräte, die sich in einem hervorragenden Zustand befänden, übernähmen. Interesse an den Vorführgeräten habe, so Hobbie, auch der Ortsbürgerverein Scheps bekundet, doch das hatte sich zerschlagen.

Mit dem Wechsel nach Löningen endet endgültig die Edewechter Kinogeschichte. Bis in die 1970er Jahre hatte es im Ort die „Edewechter Lichtspiele“ gegeben, die dann geschlossen wurden. Kinobetreiber Wilhelm Grambart (Kino Willi) aus Bad Zwischenahn, so heißt es dazu in der „Geschichte der Gemeinde Edewecht im Ammerland“ hatte Filme im Saal der Edewechter Gastwirtschaft „Schützenhof“ in Süd-Edewecht gezeigt. Viele Edewechterinnen und Edewechter erinnern sich daran.

Als die „Edewechter Lichtspiele“ eingestellt worden waren, hatte die Gemeinde Grambart die Mitnutzung des Gemeindesaals im neuen Rathaus angeboten. Dieses sollte nicht nur ein reines Verwaltungsgebäude sein, sondern auch ein gesellschaftliches und kulturelles Zentrum des Dorfes. Freitags- und sonnabendabends wurden in den „Rathaus-Lichtspielen“ Filme gezeigt; für Jugendliche gab es zwei wöchentliche Extravorstellungen. Bei der Gemeindeverwaltung konnten die Kinokarten vorbestellt werden.

Anfang der 1980er Jahre zog sich Grambart aus gesundheitlichen Gründen aus dem Kinogeschäft zurück, die Geschäftsführung übernahmen Wolfgang Schrick und Jürgen Nowak von den „Cinema-Lichtspielen“ in Westerstede. Ende 1990 kam aus wirtschaftlichen Gründen jedoch das „Aus“ für die Edewechter „Rathaus-Lichtspiele“. Die Zahl der Vorstellungen war immer geringer geworden, die gezeigten Filme liefen mit zeitlicher Verzögerung, mitunter wurden angekündigte Filme nicht gezeigt, weil der Film nicht zur Verfügung stand. Das junge und mobile Publikum, das neue Produktionen sehen wollte, wanderte nach Oldenburg ab.

Keine Zukunft

Außerdem war das Konkurrenzangebot durch Fernsehen und Video groß. Trotz dieser Probleme wollte die Gemeinde die „Rathaus-Lichtspiele“ erhalten. Ab 1985 wurde sogar auf die monatlichen Mietzahlungen verzichtet. Doch auch das half nicht, Jürgen Nowak stellte die „Rathaus-Lichtspiele“ ein. Seitdem standen die beiden jeweils rund 170 Kilogramm schweren und mannshohen Filmprojektoren, die die Gemeinde angeschafft hatte, ungenutzt neben dem Rathaussaal.

Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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