Westerstede „Eine Sekunde Unachtsamkeit kann ausreichen, damit man hier landet“, berichtet Dennis Peter, Assistenzarzt in der Unfallchirurgie am Bundeswehrkrankenhaus in Westerstede. „Wer beim Fahren mit seinem Handy herumspielt oder unter Alkohol- oder Drogeneinfluss fährt, gefährdet sich und andere extrem“, sagt Peter weiter.

Bewusstsein für eigene Handlungen schärfen

Der Oberstabsarzt der Bundeswehr hat das sogenannte P.A.R.T.Y.-Programm organisiert, das am Donnerstag im Klinikzentrum veranstaltet wurde. Bei dem Programm geht es darum, durch gezielte Informationen und Aufklärung Jugendliche zu sensibilisieren. Das Bewusstsein für die Risiken und die Verantwortung für das eigene Handeln sollen so geschärft werden.

Einen Tag lang waren zwei zehnte Klassen des Gymnasiums Westerstede im Klinikzentrum zu Gast und haben erlebt, was es bedeutet, einen schweren Unfall zu haben. Über mehrere Stationen haben sie dabei einen fiktiven Patienten vom Unfallort auf die Intensivstation begleitet.

Selbstversuch mit Brille

Zu Beginn gab es einen Versuch für die Schüler. „Wir sind einen Parcours gelaufen, bei dem wir keins von den aufgestellten Hütchen umwerfen sollten“, berichtet der 15-jährige Felix. Dabei habe er eine Brille getragen, die ein Sichtfeld von 0,8 Promille Blutalkohol simuliert. „Ich habe mich echt unsicher gefühlt und auch Pylonen getroffen“, sagt Felix, nachdem er den Parcours absolviert hat.

Schließlich begleiten die Schüler in Gruppen einen fiktiven Patienten – angefangen beim Rettungsdienst. „Rettungssanitäter und Notärzte versorgen den Patienten, der einen Autounfall hatte, an der Unfallstelle und bereiten ihn auf den Transport in die Klinik vor“, erklärt Peter. „Der 19-Jährige hat einen offenen Beinbruch, ein Schädelhirntrauma, Verletzungen am Brustkorb und ein gebrochenes Becken“, beschreibt er die Situation.

Untersuchung nach festem Schema

Das Ganze wird in der Garage der Einsatzfahrzeuge simuliert. Von dort geht es in den Schockraum der Klinik, in dem die Übergabe des Unfallopfers stattfindet. „Wir untersuchen den Patienten nach einem festen Schema. Dabei werden unter anderem Atmung und Kreislauf gecheckt“, erklärt einer der anwesenden Ärzte. Die Puppe, die vor ihm liegt, bekommt einen Zugang gelegt und wird abgetastet. „Wir müssen sicher sein, dass wir nichts übersehen“, sagt der Arzt weiter. Man kann den Schülern ansehen, dass sie diese Situation alles andere als kalt lässt.

Nächste Station ist die Intensivstation. In einem Bett liegt wieder eine Puppe, die an ein Beatmungssystem angeschlossen ist. „Wir überwachen und versorgen hier schwer verletzte Patienten“, erklärt ein Anästhesist. Normalerweise sei der Patient mit vielen Schläuchen und Messsystemen verbunden. „Die Geräte messen die Körperfunktionen und piepen, so dass es hier eigentlich immer sehr geräuschintensiv ist“, berichtet der Arzt weiter.

Langer Aufenthalt

„Wer einen schweren Unfall hatte und hier landet, bleibt oft für Wochen oder Monate“, berichtet Dennis Peter im abschließenden Gespräch. Noch länger – manchmal mehrere Jahre – könne es dauern, bis man wieder völlig genesen sei. Im schlimmsten Fall bezahle man so einen Unfall mit dem Leben.

Als abschreckendes Beispiel hat Lukas Harms den Besuch empfunden. „Ich dachte, die erzählen uns hier, dass wir nicht so viel trinken sollen“, sagt er. Der Rundgang habe ihn zum Nachdenken gebracht.

Ähnlich sieht es seine Mitschülerin Alina, die das Programm für eine gute Idee hält. „Ich nehme die Thematik jetzt ernster und werde besser aufpassen“, sagt die 16-Jährige.

Lehrerin Sonja Meyer freut sich über das Interesse der Jugendlichen. „Die Schüler sollen sehen, was passieren kann und das weitererzählen, so werden auch Freunde und Eltern sensibilisiert.“


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Wolfgang Alexander Meyer
Redakteur
Redaktion Oldenburg/Westerstede

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