Ammerland /Bad Zwischenahn Zunächst die gute Nachricht: Erstmals nach vielen Jahren des sanften Anstiegs stagniert die Zahl derjenigen, die wegen des Missbrauchs illegaler Drogen bei der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention „Rose 12“ in Bad Zwischenahn Hilfe suchen. Und dennoch: Die Einrichtung wird stark frequentiert. „Viele Klienten kommen zu uns“, sagt Drogenberaterin Heike Newton. Mit 319 Menschen hatte es die Beratungsstelle 2018 zu tun – 211 von ihnen nahmen längerfristige Hilfe in Anspruch.

Bad Zwischenahn steht an der Spitze dieser Langzeitberatungen – 52 Menschen ließen sich beraten. Auf Platz zwei folgen Westerstede und Wiefelstede mit je 38, gefolgt von Rastede (37), Edewecht (29) und Rastede (27). „Unser Hauptaugenmerk liegt beim Cannabis“, sagt Drogenberaterin Heike Newton. 80 Fälle von schädlichem Cannabis-Gebrauch oder einer Abhängigkeit von dieser Droge stehen zu Buche.

Zahlen nicht vergleichbar

Insgesamt gesehen sind die Zahlen des Jahresberichts 2018 nicht vergleichbar mit denen der Vorjahre. „Das liegt daran, dass wir einen Trägerwechsel hinter uns haben – und da wird anders gezählt.“ Bei „Step Hannover“, dem neuen Träger, werden im Gegensatz zu früher in den Statistiken beispielsweise die Einmalkontakte mitgezählt. 52 dieser Besuche, die aus unterschiedlichen Gründen keine Beratung, Begleitung oder Reha nach sich ziehen, hat es 2018 insgesamt gegeben. Und die lassen das Zahlenwerk auf den ersten Blick deutlich dramatischer aussehen als in der Vergangenheit.

„Wer durch Marihuana straffällig wird, den schickt das Gericht zu uns“, weiß Beraterin Newton, die sich mit Anne Arnold-Winkenbach um den Bereich der illegalen Drogen im Ammerland kümmert. Und sie wissen, wie man die Menschen öffnet. „Wir hören zu und fragen nach, unter welchem Druck sie stehen, dass sie diese Drogen nehmen“, nennt Newton ein Beispiel. Aber es gibt auch andere Gründe: Man kann so toll Musik hören. Es hilft beim Entspannen – das hören die Beraterinnen öfters.

„Die Suchtgefahr steigt, je jünger ein Konsument ist“, so Newton weiter. „Das Problem ist: Wenn der Körper merkt, dass Drogen ausreichen, um glücklich zu sein, muss der Körper nichts mehr selbst dafür tun. Wenn dann keine Drogen da sind, ist die Laune im Keller.“

Doch nicht nur Konsumenten und Abhängige kommen in die Beratung. Auch Angehörige und Bekannte, die nicht mehr weiter wissen oder vielleicht etwas ahnen, nutzen das Angebot. 58 der insgesamt 319 Klienten gehörten 2018 dieser Personengruppe an. Deshalb appelliert Heike Newton: „Bei Fragen, Unsicherheit und Problemen möge man sich bitte bei uns melden, wir nehmen uns jeder Fragestellung an.“

Schweigepflicht

„Die Leute sollen sich bei uns gut aufgehoben fühlen“, ergänzt Anne Arnold-Winkenbach. Und natürlich geht es auch um Diskretion. Einerseits können Ammerländer natürlich auch das „Rose-12“-Angebot in Oldenburg wahrnehmen, aber „wir unterliegen selbstverständlich auch der Schweigepflicht. Wenn ein junger Mensch zu uns kommt, muss er keine Angst haben, dass wir in der nächsten Woche mit der Mutter sprechen“.

Wichtig ist den Drogenberaterinnen, dass die Menschen kommen, bevor die Lage desolat wird. Denn: Es gibt ein breites Netz an Hilfestellungen – von psychosozialer Begleitung (24 Personen haben diese beansprucht) über die ambulante medizinische Reha (12) bis hin zur Sucht- und Drogenberatung (167).

Wer Kontakt zu „Rose 12“ sucht, findet hier Hilfe: Fährweg 2, Bad Zwischenahn, Telefon   0 44 03/6 35 20, E-Mail: ammerland@step-niedersachsen.de.

NWZonline.de/gesundheit
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Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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