Westerstede Wie viel Kilo müssen Grundschüler jeden Tag schleppen? Darüber gibt es bei Eltern und Großeltern ganz verschiedene Ansichten. Manche meinen, dass die Kinder mit zehn Kilo auf dem Rücken sich jeden Morgen abbuckeln müssen. Ist das wirklich so? Die NWZ hat nachgewogen – und gefragt, wie die Schule weiterhilft.

Schüler auf die Waage

Unsere Testpersonen sind Julian (6) und Jan-Lion Frerichs (11). Beide gehen in Halsbek in die Grundschule.

Jan-Lion steigt als erster auf die Waage. Der Viertklässler bringt es (ohne Ranzen) auf 39,1 Kilo. Und was wiegt die Schultasche? 4,5 Kilo. Damit trägt der Elfjährige mehr als zehn Prozent seines Körpergewichts auf dem Rücken.

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Schulranzen Jan-Lion und Julian Frerichs BILD: Manuela Wolbers
Schulranzen Jan-Lion und Julian Frerichs BILD: Manuela Wolbers Wolbers

Was ist drin im Schulranzen?

Der Erstklässler Julian hat in seinem Ranzen: Schnellhefter, Arbeitshefte, ein Hausaufgabenheft, eine Federmappe, Brotdosen, Trinkflasche, eine Warnweste für die dunklen Tage und ein wenig Kleinkram.

Der Viertklässler Jan-Lion hat in seinem Ranzen: Schnellhefter, Arbeitshefte, Hausaufgabenheft, Brotdosen, eine Federmappe, Stiftdosen und eine Wollmütze. Mit dabei hat er an dem Tag auch seine Sporttasche.

Allerdings ist es damit nicht getan. An unserem Testtag hat er Sport. Es kommt also eine zweite Tasche dazu. Und je nachdem, was die wiegt bzw. die Schuhe oder die Sportsachen, kommen schnell noch mal drei Kilo dazu. Wird auch noch eine volle Flasche Limo mitgenommen, steht ein weiteres Kilo auf der Schleppliste. Nicht mit eingerechnet sind Bücher, die auch mal mit müssen. Denn Jan-Lion hat am Testtag keine Hausaufgaben auf. „Ich nehme nur die Bücher mit, die ich zuhause brauche. Die Lehrer sagen uns, welche das sind.“ Die Mappen müssen jeden Tag mit in die Schule und wieder zurück.

Etwas weniger zu schleppen hat Jan-Lions Bruder Julian. Er geht in die erste Klasse. Ohne Schultasche wiegt der Sechsjährige 35,6 Kilo, mit Ranzen 38,5 Kilo. Seine Tasche wiegt 2,9 Kilo. Auch er musste an diesem Tag keine Bücher aus der Schule mitnehmen.

Nackenschmerzen vom Schleppen

Mit den Taschen auf dem Rücken müssen die Jungs morgens ungefähr zehn Minuten zur Bushaltestelle hin- und mittags wieder zurück laufen. Für Julian ist das – zumindest im Moment – kein Problem. Das sieht auch seine Mutter Maria Frerichs so: „Für Julian ist das nicht so schlimm.“ Dem Erstklässler sei der Ranzen nicht zu schwer. „Jan-Lion hat aber immer viel zu tragen.“ Das wirkt sich bereits auf seine Gesundheit aus, denn vom schweren Schleppen hat er auch schon manchmal Nackenschmerzen. „Wenn die Tasche zu schwer ist, schau ich immer nach unten“, sagt er. Seine Sporttasche oder die schwere Jacke trägt ihm dann auch mal sein kleiner Bruder zum Bus oder nach Hause – ein Luxus, den natürlich nicht jedes Kind mit zu viel Gepäck hat.

Dass Grundschüler viel transportieren müssen weiß auch der Halsbeker Schulleiter Jörn König. „Eigentlich haben die Kinder in allen Grundschulen eigene Fächer.“ Diese befinden sich in Halsbek in den Klassenräumen, dort können die Kinder die schweren Bücher verstauen. „Die Kollegen sagen an, was für die Hausaufgaben benötigt wird. Das Problem ist – die Kinder nehmen die Sachen trotzdem mit.“

Im Schulalltag sei es für die Lehrerinnen und Lehrer nicht möglich, jeden Tag sämtliche Taschen zu kontrollieren. Deswegen haben sie sich ein anderes System ausgedacht: einen eigenen Schulranzen-TÜV.

Belohnung für Kinder

Die Lehrerinnen und Lehrer schauen immer mal wieder nach, ob in den Taschen nur drin ist, was wirklich reingehört und mit in die Schule muss. Häufig werden die Taschen freitags mal ausgeräumt, um zu schauen, was aussortiert werden kann. Wer einen gut gepackten Ranzen hat, kann für die Klasse Punkte sammeln. Jedem Lehrer bleibt die genaue Punkteverteilung und die Auswahl der Belohnung selbst überlassen, so Jörn König. „Die Kinder bekommen zum Beispiel etwas ausgegeben oder es wird eine Spielstunde eingeplant.“

Lehrer und Schulleitung wissen, dass die Taschen auch ohne Bücher schwer sind. Deswegen sollen die Kinder ihre Unterlagen aus den Mappen immer mal wieder in Ordner abheften, die in der Schule bleiben.

Jörn König sieht noch ein weiteres Problem: schlecht eingestellte Taschen. „Da sind zum Beispiel die Riemen zu lang eingestellt.“ Darauf müssten die Eltern achten, denn das könnten die Lehrer nicht leisten.

Manuela Wolbers Redakteurin / Online-Redaktion Ostfriesland
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