Apen /Augustfehn „Apen eine familienfreundliche Gemeinde? Dass ich nicht lache“, sagt eine Mutter. „Jahrelang wurde uns gesagt, dass die Kinderzahlen sinken und dass Kita-Plätze kein Problem seien. Mein jüngster Sohn wird im Oktober drei, mein Arbeitgeber will wissen, ob ich im Herbst wieder arbeite. Die Chancen stehten schlecht, dass wir einen Kitaplatz bekommen. Und was wird mit meinem Job?“

„Das macht einen verrückt, dass man keine Planungssicherheit hat“, ergänzt eine andere Mutter. „Ich wollte mein Kind während der Schwangerschaft für den Krippenbesuch anmelden und musste mich dann von der Kindergartenleitung moralisch belehren lassen, ob ich mein Kind tatsächlich den ganzen Tag und das schon mit sieben Monaten in die Krippe bringen wolle. Genommen werden sie in der Krippe erst ab einem Jahr. Ich bin auf meinen Job angewiesen und froh, dass ich für meine Tochter eine Tagesmutter gefunden habe.“

 Angespannte Lage

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Zwei Beispiele von Elternfrust aus der Gemeinde Apen: Riesig war die Resonanz, als die NWZ kürzlich über Facebook Mütter und Väter ansprach und sich nach der Betreuungssituation ihrer Kleinkinder erkundigte. Der Grund: In Apen werden, so Bürgermeister Matthias Huber in der jüngsten Ratssitzung, nach den Anmeldezahlen 2017 40 Krippenplätze und 9 bis 15 Kitaplätze fehlen. Das sind fast drei Krippengruppen und fast eine Kindergartengartengruppe. Wo sollen diese Eltern ihre Kinder betreuen lassen?

„Wir haben als Gemeinde den richtigen Weg eingeschlagen, weil wir die Grundschule Augustfehn II zu einem Familienzentrum umgestalten werden“, so Huber in einem NWZ-Gespräch. Zwei Krippengruppen und zwei Kindergartengruppen sollen dort untergebracht werden, eine der Kindergartengruppen existiert bereits. Bleiben zwei Krippengruppen und eine Kitagruppe – das langt nicht einmal für den aktuellen Bedarf, denn das geplante Familienzentrum in Augustfehn II steht frühestens ab Sommer 2018 zur Verfügung..

 Bedarf nicht zu Decken

„Wenn wir wirklich in diesem Sommer zusätzliche 40 Krippenplätze und 9 bis 15 Kitaplätze besetzen müssten, wären wir dazu nicht in der Lage“, gesteht Huber auf Nachfrage. Im gleichen Atemzug verweist er darauf, dass es in jeder Kita Warteplätze gäbe und dass in den vergangenen Jahren noch immer gelungen sei, auch Kinder von der Warteliste unterzubringen. Ein Problem sei es jedoch, dass fast alle Eltern nur Vormittagsplätze wünschten, obwohl es auch Nachmittagsplätze gäbe, und sie ihren Sohn oder ihre Tochter in ihrem Wunschkindergarten untergebracht wissen wollen. Doch die gesamte Gemeinde sei Einzugsgebiet für alle Kindergärten.

 Nachmittg unbeliebt

„Wir führen derzeit Gespräche mit Eltern und wollen sie dazu bewegen, dass sie auch über einen Nachmittagsplatz für ihr Kind nachdenken“, sagt Margrit zur Brüge, Leiterin des Kindergartens „Unterm Regenbogen“ in Apen. Die Einrichtungsleiterinnen der Kindertagesstätten und Krippen sind auch diejenigen, die die Anmeldungen der Eltern entgegennehmen. Bis Ende Januar mussten Mütter und Väter ihre Söhne und Töchter für das neue Kindergartenjahr in den Einrichtungen anmelden.

 Weitere Umfrage

Außerdem seien im Nachhinein die Eltern nochmals angeschrieben worden, man habe sie über Kosten informiert und sie gebeten, ein Formblatt auszufüllen, damit man die Kita- und Krippenplätze nach sozialen Kriterien vergeben könne, so zur Brügge. Bis Ende August 2017 könne man alle Kindergartenkinder, die bis dahin drei Jahre alt würden, aufnehmen. Die Eltern erhielten in diesen Tagen die Zusagen. Bis Ostern sollen Eltern der Krippenkinder erfahren, ob sie einen Platz für ihr Kind bekämen.

„Wir sind im engen Austausch mit der politischen Gemeinde“ sagt Pastor Peter Kunst von der lutherischen Kirchengemeinde Apen, die Träger aller Kindergärten und Krippen in der Gemeinde ist.

 Viele Zuzüge

„Wir haben in den vergangenen beiden Jahren mehr Anmeldungen als wir Plätze in der Kinderbetreuung haben. Das hat damit zu tun, dass viele junge Familien in der Gemeinde Apen ein Haus kaufen oder auch bauen möchten, weil das bei uns noch bezahlbar ist. Im Kindergarten Apen haben wir aufgrund der großen Nachfrage schon im dritten Jahr eine provisorische Gruppe, die man als solche nicht mehr bezeichnen kann“, so Kunst.

Dass es viel zu wenig Betreuungsmöglichkeiten in Apen gibt, weiß auch Petra de Vries, Ansprechpartnerin für die hiesigen Tagesmütter und Tagesväter. „Wir brauchen dringend weitere Tageselten, der Bedarf an Kinderbetreuung bis zum Kindergartenalter ist riesig und wird immer mehr.“ Das gelte nicht nur für Krippenplätze für Kinder ab einem Jahr, wie sie auch die Krippen der Kirchengemeinde anböten, sondern ebenso für Kinder unter einem Jahr, da viele Eltern schon früh wieder arbeiten gehen müssten.

Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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