Rostrup Der Fachkräftemangel trifft die deutsche Bauwirtschaft schon lange. Und als vor einigen Jahren die Finanzkrise besonders die südeuropäischen Länder fest im Griff hatte, stieg dort die Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten massiv an. Das Programm MobiPro-EU brachte damals beide Seiten zusammen – junge Menschen ohne Perspektive in ihrem Heimatland und Arbeitgeber ohne Nachwuchs.

Auch beim Bau-ABC Rostrup startete vor rund drei Jahren ein entsprechendes Projekt. Der Erfolg wird jetzt sichtbar: Jesús Angel Cadenas Santos, Marcos Presa Fernández und Javier Guerra Álvarez haben bereits die zweijährige Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter, Schwerpunkt Rohrleitungsbau, in der Tasche und schließen in diesen Tagen die zweite Stufe der Ausbildung zum Rohrleitungsbauer ab.

Alle drei stammen aus Nordspanien und hatten zuvor schon mehrere Ausbildungen in ihrem Heimatland absolviert. Jesus hatte es als Koch und Kältetechniker versucht, Marcos und Javier unter anderem als Elektriker. Doch die spanischen Ausbildungen dauern nur 18 Monate, davon sind nur drei Monate Praxis – in Deutschland bestenfalls ein Praktikum.

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Trotzdem suchen spanische Arbeitgeber noch heute nur nach Mitarbeitern mit mehrjähriger praktischer Erfahrung – die zu bekommen, ist aber fast unmöglich. Das weiß auch Projektkoordinator Thomas Weerts vom Bau-ABC, der selbst mehrfach in Spanien war, um dort geeignete Bewerber für das MobiPro-EU-Programm auszusuchen.

Noch immer verlassen viele junge Leute das Land: „Aus meiner Schulklasse lebt nur noch ein einziger in Spanien“, sagt Javier. Die drei haben ihre Entscheidung jedenfalls nicht bereut. „Hier ist alles gut“, sagt Jesus. „Klar, Freunde und Familie sind Spanien, aber das Leben ist jetzt hier.“ Gegen Heimweh helfen Skype und WhatsApp und die berufliche Zukunft sieht für alle drei gut aus. Sie können damit rechnen, vom Ausbildungsbetrieb übernommen zu werden und später weiter aufzusteigen.

Die Betriebe hätten schließlich ein Interesse an den Mitarbeitern und würden deshalb auch ständig in ihre Weiterbildung investieren, sagte Emke Emken, Leiter der Bildungszentren der Bauwirtschaft in Rostrup. Eine Rückkehr nach Spanien? Alle drei schütteln den Kopf: Nicht in nächster Zeit.

Dabei mussten die drei jungen Männer, alle 27 Jahre alt, deutlich mehr arbeiten als ihre Kollegen in der Ausbildung – schließlich mussten sie ganz nebenbei auch noch die deutsche Sprache lernen. Dabei half Reinhard Flohr im Auftrag der Kreisvolkshochschule. Für Siemens hat er in Spanien und Mexiko gearbeitet. Spanisch sprach er also, was ihm selbst auch fehlte, war die Fachsprache der Rohrleitungsbauer.

Die eignete er sich im Laufe der Zeit mit seinen Schützlingen gemeinsam an und staunte bei seiner Pionieraufgabe darüber, „was das für eine High-Tech-Branche ist“. Nebenbei standen aber auch Begriffe aus der Wirtschafts- und Sozialkunde, der Arbeitssicherheit oder dem Betriebsverfassungsgesetz auf dem Stundenplan.

Dass Jesus, Javier und Marcos jetzt fit sind, die gleiche Prüfung zu absolvieren wie deutsche Auszubildende zeigt für Flohr wie für Melanie Campbell, Projektkoordinatorin beim Bau-ABC, den Erfolg des MobiPro-EU-Programms. Und dieser Erfolg hat sich fortgesetzt: Circa 60 weitere Auszubildende aus Spanien absolvieren ihre Ausbildung im Bau-ABC in Rostrup und bei verschiedenen Betrieben.

Das aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finanzierte Pilot-Programm MobiPro-EU läuft allerdings aus, die letzten Auszubildenden, die über dieses Programm nach Deutschland gekommen sind, haben ihre Ausbildung 2016 begonnen.

Dennoch war Thomas Weerts gerade wieder in Spanien um geeigneten Nachwuchs für die Bauwirtschaft zu finden – denn Fachkräfte sind nach wie vor Mangelware.

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Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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