WIEFELSTEDE Medellin, zweitgrößte Stadt Kolumbiens: Für ein Jahr wird sie nun meine Heimat sein. Und der Weg von Wiefelstede hierher war ein langer. Ein spannender Flug, der mit einer Stunde Verspätung am Frankfurter Flughafen begann – Triebwerksprobleme. Beim Zwischenstopp in Panama Verwirrung ums Gepäck: Es würde automatisch nach Medellin weitertransportiert, hieß es dort. Ich fand es dennoch ganz verloren an der Kofferrollbahn. Also, Gepäck wieder aufgeben – und weiter nach Medellin. 36 Fahrstunden später und bei totaler Erschöpfung Ankunft in Medellin. Die Begrüßung durch Projektleiter Juan Restrepo Florez und seine Frau Sandra Domínguez Rendón war herzlich in der „Fundacion Arca Mundial“. Dann erst einmal schlafen.

Sehr kalte Dusche

Für ein Jahr werde ich nun in der Einrichtung arbeiten, die auch von den „Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ unterstützt wird. Sie betreut körperlich und geistig behinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Mein Zimmer teile ich mit zwei Mädchen, die hier auch ihr Freiwilliges Soziales Jahr machen. Spärliche Einrichtung: kleines Badezimmer mit einer Dusche, die leider nur sehr kaltes Wasser hat. Nach der Arbeit und am Wochenende wohnen wir – insgesamt fünf Freiwillige – in dieser großen Schule ganz allein mit zwei Kolumbianern, die hier ebenfalls arbeiten.

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Die Arbeit ist anstrengend. Denn bislang wissen wir noch nicht so recht, wie wir mit welchem Menschen in der Einrichtung umgehen sollen oder wie sich welche Krankheit bemerkbar macht. Autismus beispielsweise. Ich habe gleich zu Beginn der Arbeit erlebt, wie eine Autistin, die ich betreuen sollte, wild auf mich einzuschlagen begann. Das ist dann natürlich erst einmal ein Schock. Juan hat mir erklärt, dass das Mädchen in seiner eigenen Welt lebt. Wenn man versucht, sie da herauszuholen, schlägt oder kneift sie andere oder sich selbst, nur um etwas zu haben, an dem sie sich in unserer Welt festhalten kann, wie einen Anker, den sie in unserer Welt braucht. Mittlerweile arbeite ich mit den Kleineren, furchtbar süß; aber viele von ihnen auch autistisch. Ich passe auf sie auf und begleite sie beim Spielen.

Gegensätze in Medellin

In der Freizeit erste Eindrück von Medellin: nach einer Seilbahnfahrt einen wunderschönen Blick auf die Stadt geworfen, ein Straßenfest besucht und mit viel Spaß Salsa getanzt – in einem kleinen Haus in einem Flur. Viele Menschen haben zugeschaut oder mitgemacht – und sogar die Kinder von der Straße haben uns durch das Gitter der Eingangstür beobachtet. Wir haben uns gleich mal für einen Kursus jeden Dienstag angemeldet. Wir wohnen in einer wohlhabenderen Gegend und können uns frei bewegen. Als wir das benachbarte Viertel „La Estrella“ besuchten, sagte man uns: Wenn ihr eine Straße weitergeht, dann kommt ihr dort nicht lebend heraus. Natürlich waren wir sehr erschrocken. Medellin ist eben sehr gegensätzlich. Oft werden wir angestarrt, als wären wir Marsmenschen. – wegen der hellen Haut und der blonden Haare. Das ist manchmal etwas nervig.

Erste traurige Erfahrung: Ein 12-jähriges Mädchen, das die Einrichtung besuchte, ist gestorben. Die Beerdigung: irgendwie fröhlicher, als wir es zu Hause gewohnt sind – so seltsam das klingen mag. (wird fortgesetzt)

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