Apen /Godensholt Amal Querro ist Kindergärtnerin und gläubig. Jeden Abend betet sie und liest einen Vers aus ihrer Bibel. „Wenn ich diese Rituale nicht pflegen kann, finde ich keine Ruhe“, sagt die Mitarbeiterin des Kindergartens Unterm Regenbogen. Die 47-Jährige kommt aus Syrien und ist Christin. Der Glaube ist für sie nicht nur etwas Formelles, was mit dem Kircheneintritt und Gottesdiensten zu Ostern und Weihnachten getan ist.

Müssen Mitarbeiterinnen, die in lutherischen Kindertagesstätten arbeiten, eigentlich in der lutherischen Kirche sein? Der Europäische Gerichtshof hat kürzlich entschieden: Kirchliche Einrichtungen haben das Privileg auf Selbstbestimmung. Wer in einem Kindergarten in christlicher Trägerschaft arbeitet, muss in der Kirche sein. Jedoch nur zwingend, wenn die konkrete Tätigkeit in direktem Zusammenhang mit dem Vermitteln christlicher Werte steht. Dies ist bei Kindergärtnerinnen der Fall.

„Unsere rund 60 Mitarbeiterinnen in den fünf Tagesstätten der Gemeinde sind allesamt Mitglied der lutherischen Kirche“, sagt Pfarrer Peter Kunst, Geschäftsführender Pfarrer der lutherischen Kirchengemeinde, dem Träger aller Kitas im Gemeindegebiet. Bei jedem Bewerbungsgespräch ist Kunst auch dabei. „Wir erwarten, dass christliche Werte in der tagtäglichen Kita-Arbeit vermittelt werden. Wie das allerdings im Einzelfall aussieht, ist den Einrichtungen überlassen.“

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Auch Margrit zur Brügge, Leiterin des Aper Kindergartens Unterm Regenbogen, hält das Vermitteln christlicher Werte für sehr wichtig. Sie ermögliche jedoch jeder ihrer Mitarbeiterinnen, frei zu entscheiden, wie viel sie von ihren persönlichen Glaubensvorstellungen in die tägliche Arbeit einbringen will. „Hier herrscht große Freiheit unter den Kollegen. Wer nicht mit den Kindern beten will, muss auch nicht.“ Auch regelmäßiger Kirchgang werde nicht erwartet.

„Als Kind wollte ich Pastorin werden“, erinnert sich die 62-Jährige. Für Margrit zur Brügge ist vor allem das Musizieren ein Ausdruck ihres Glaubens. „Durch die Musik finden die Kinder sehr leicht Zugang zu religiösen Themen.“ Auch Sonja Nannen ist Kindergärtnerin in Apen und gläubig. Sie sucht persönlich Kraft in der Natur. Dort fühlt sie sich mit dem Göttlichen am meisten verbunden.

Anne Rosenau, Leiterin des Godensholter Kindergartens „Pusteblume“, ist von christlichen Werten für ein besseres Miteinander ebenfalls überzeugt. „Die Kirche inspiriert uns immer wieder, darüber nachzudenken, wie wir mit anderen umgehen wollen.“

Letztendlich sei der Glaube nicht das alleinige Kriterium bei Einstellungen, so Pastor Kunst. „Bei der Arbeit mit Kindern braucht man Ideenreichtum, Kreativität und viel Einfühlungsvermögen“, weiß Kunst. Sei das nicht gegeben, helfe auch die Kirchenmitgliedschaft nicht, um einen guten Job zu machen.

Freya Adameck Redakteurin / Redaktion Ostfriesland
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