Apen /Augustfehn Weniger Fahrlehrer und immer mehr Schüler: Das beunruhigt zur Zeit den niedersächsischen Fahrlehrerverband. „Es ist schwierig, Fahrlehrer zu bekommen“, sagt der Vorsitzende des Verbands, Dieter Quentin. „Überall suchen Fahrschulen händeringend nach Mitarbeitern.“

Jann de Buhr, Inhaber einer Fahrschule in Apen, ist Mitglied im Verband und kann die Sorge nur bestätigen: „Die Fahrlehrer sind im Schnitt 55 Jahre alt oder älter. Das heißt, in fünf bis sieben Jahren wird ein Großteil in Rente gehen. Dann haben wir eine Problem.“ Der 57-Jährigen findet auch für seine Fahrschule schwer Nachwuchskräfte. Bei de Buhrs Fahrschule sind sie nur zu zweit: „Ja, ich suche nach neuen Mitarbeitern. Ich musste schon Außenstandorte schließen, weil einfach die Fahrlehrer fehlen.“

Die offiziellen Anforderungen der Ausbildung haben sich seit diesem Jahr stark geändert, so de Buhr. Statt fünf dauere diese jetzt acht Monate, dafür würde nicht mehr verlangt werden, dass ein Fahrlehrer alle Klassen beherrsche.

„Am Verdienst kann es nicht liegen“, sagt de Buhr bezüglich des Fahrlehrermangels. Er vermutet eine andere Ursache: „Viele schrecken vor der sensiblen, pädagogischen Arbeit mit dem Schüler zurück.“ Ein anderer Grund könnten die ungewöhnlichen Arbeitszeiten sein. „Ich unterrichte auch für Lkw, da habe ich extrem frühe Zeiten. Die normalen B-Klasse-Stunden liegen dafür meist in einer Zeit, in der andere Feierabend machen.“

Während es 2011 noch rund 55 000 Fahrlehrer deutschlandweit gab, waren es laut Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 2017 nur noch 44 500. Doch die Nachfrage sei da. Der Jahrgang der Geburten um die Jahrtausendwende war höher als der der 90er. Daher sind jetzt viele in dem Alter, Autofahren zu lernen. Nur die Fahrerlehrer fehlen. Und das, obwohl es, wie der demografische Wandel in Deutschland zeigt, deutlich mehr Erwachsene gibt, die Fahrlehrer werden könnten, als Jugendliche, die den Führerschein machen wollen. Dass sich die Verhältnisse dennoch umkehren und nun die wenigen Fahrlehrern mit der Masse an Schülern überfordert sind, lässt den Fahrlehrerverband Alarm schlagen.

„Bis 1999 hat die Bundeswehr noch intensiv Fahrlehrer ausgebildet. Das waren jedes Jahr circa 600 neue Fahrlehrer. Die fallen jetzt weg, da die Bundeswehr ihre Ausbildung deutlich zurückfuhr“, so Buhr.

Auch bei der Fahrschule Wilken, die einen Standort in Augustfehn hat, ist der Fachkräftemangel zu spüren. Sie ist eine Ausbildungsfahrschule: „Im Schnitt haben wir jedes viertel Jahr einen Schüler der die Lehrerprüfung absolviert“, sagt Fahrlehrer Wilfried Thon.

Er sieht ein weiteres Problem bei seinem Job: „Der Verkehr wird immer schwieriger.“ Der Fahrlehrer betont, dass auf den Straßen viele Fahrer mit einem schlechten Beispiel voran gingen und so den Fahrschülern es erschweren würden, überhaupt die Regeln zu lernen. „Fahrlehrer zu sein ist kein Ausbildungsberuf, dadurch fallen viele Unterstützungsmaßnahmen weg. Das ist schade. Da sollte die Kommunikation der Branche nach außen besser werden“, schlägt Thon vor, um dem Lehrermangel entgegen zu wirken.

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Freya Adameck Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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