Ammerland „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“: Die Bezeichnung ist – gelinde gesagt – sperrig. Seit einem halben Jahr gibt es in Westerstede eine solche Beratungsstelle. Wir haben bei deren Leiterin Gabriele Rathmann nachgefragt, was sich hinter dem Begriff „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ (kurz EUTB) verbirgt.

Hier ist die Beratungsstelle zu finden

Die EUTB Ammerland findet man zurzeit im Amt für Arbeit und Soziales, Auf der Lohe 8, in Westerstede. Zum Ende des Jahres ist ein Umzug an die Kuhlenstraße geplant. Unter Telefon  0 44 88/5 55 11 oder per Mail (eutb@sovd-ammerland.de) können Termine vereinbart werden. Gabriele Rathmann macht auch Hausbesuche.

Öffnungszeiten der Beratungsstelle: montags und donnerstags von 8 bis 12 Uhr, donnerstags zusätzlich von 13 bis 18 Uhr, dienstags von 13 bis 17 Uhr.

    www.teilhabeberatung.de

Warum gibt es die EUTB?

Ins Leben gerufen und finanziell gefördert wurde beziehungsweise wird sie vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Seit Anfang 2018 werden nach und nach bundesweit entsprechende Beratungsstellen eingerichtet. Träger der Beratung im Ammerland ist der Sozialverband Deutschland (SoVD). „Mit der Einrichtung werden die Vorgaben aus der UN-Behindertenrechtskonvention erfüllt“, sagt Gabriele Rathmann. Die Konvention sieht vor, dass Menschen mit körperlichen oder seelischen Einschränkungen nicht vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden dürfen. Das betrifft u.a. die Bereiche Schule, Arbeit, Freizeit, Wohnen.

Was macht die EUTB im Ammerland?

„Wir helfen bei der Umsetzung dieser Konvention“, so die 49-jährige Rathmann. „Wir wollen Betroffenen Wege zeigen, wie sie ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft führen können.“ Gerade die Selbstbestimmtheit sei ein entscheidender Faktor in den Beratungen. „Wir EUTBler stellen Möglichkeiten vor, geben die notwendigen Informationen. Wir nennen auch weitere Ansprechpartner.“ Dabei sei es ganz wichtig, dass die Beratung unabhängig und in alle Richtungen offen erfolge. „Wir verfügen über ein gutes fachliches Netzwerk und pflegen gute Kontakte zu anderen Stellen, die weitere Beratung und Unterstützung anbieten.“

Wer kann die Hilfe in Anspruch nehmen?

Jeder, der unter einer physischen oder psychischen Behinderung leidet oder davon bedroht ist. Auch Angehörige sind willkommen. „Bedroht ist man bereits, wenn man beispielsweise eine Depression oder eine andere chronische Erkrankung hat, lange krankgeschrieben ist und Probleme hat, in seinen Beruf zurückzukehren.“ Hier werde bei der Beratung geschaut, welche Möglichkeiten zur Wiedereingliederung es gibt. Oder ob es sinnvoll wäre, einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen. Rathmann betont: „Zunächst einmal analysieren wir das Problem. Dann geben wir Impulse, wie sich die jeweilige Situation vielleicht verändern lässt. Ich möchte betonen: Wir geben Informationen an die Hand, wir nehmen unseren Klienten aber nichts aus der Hand.“ Letztlich entscheide jeder für sich, welche Schlüsse er aus den Gesprächen ziehe.

Muss für die Beratung gezahlt werden?

Nein. Sie ist kostenlos. „Und sie ist absolut vertraulich“, sagt die Diplom-Pädagogin, die vor ihrem Studium eine Tischler-Ausbildung absolviert hat. „Bei mir rufen Menschen an, die ihren Namen nicht nennen wollen. Auch von manchem Besucher kenne ich den Namen nicht. Wer will, kann völlig anonym bleiben. Das ist in Ordnung und ändert nichts an der Qualität der Beratung.“

Wie oft kann man sich an die EUTB wenden?

Dem sind keine Grenzen gesetzt. „Manchmal genügt ein Anruf oder ein Gespräch unter vier Augen, um die Situation zu klären und zu helfen“, berichtet Rathmann. Keiner müsse Scheu oder Scham davor haben, sich mehrmals zu melden. „Wir unterstützen, solange es nötig ist.“ Die Mutter eines heranwachsenden Sohnes nennt ein Beispiel: „Nehmen wir den Fall an, dass jemand in seinem Betrieb gemobbt wird und es deshalb einen angespannten Arbeitszusammenhang gibt, in welchem Gespräche geführt werden müssen. Dann können wir als Vertrauensperson mitgehen.“ Allerdings: „Eine rechtliche Beratung machen wir nicht. Hier geht es allein um die seelische Unterstützung.“

Kerstin Buttkus Redakteurin / Redaktion Westerstede
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