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Die Gäste von „Hellwege“ hatten über eine lange Zeit keinen Treffpunkt mehr. Und auch die langjährige Inhaberin konnte, wie viele Wirte, nichts tun. Sie sagt: „Das war nicht schön. Es fühlte sich furchtbar an. Jegliche Beschäftigung war erledigt und es gab nichts zu tun“ Ihr Mann unterstütze sie, wo er konnte, aber immer gelang ihm das nicht. Besonders gegen 4 Uhr, wenn sie sonst in den Laden gefahren wäre. „Mir fehlt das. Am Anfang flossen die Tränen.“ Wie viele Gastronomen kann sie jetzt zuschauen, wie das Wenige, das sie auf die Hohe Kante legen konnte, aufgezehrt wird. Sie sagt: „Ich muss sehen, wie es weitergeht. Den April schaffe ich noch, aber drei Monate wären Mist.“ Die EWE sei in der Situation „ganz toll“ mit ihr umgegangen, auch die AOK. Sie hofft, dass ihr vielleicht auch die NBank im kleinen Rahmen helfen könnte, „wir haben es versucht, aber noch konnte ich keinen Kontakt bekommen“.

Die Gaststätte „Hellwege“ ist ein extrem beliebter Treffpunkt für Sportler, Lehrer, Ärzte, Richter, Anwälte aus Eversten und der ganzen Stadt. Lore Onnen-Fröhlich will, dass es wieder so wird: „Ich weiß zwar jetzt noch nicht, wie es weitergeht, ich habe nicht viel, aber ich habe auch keine Schulden, ich gebe nicht auf.“

Und darin wurde Lore Onnen und ihr Team von einer überwältigenden und beeindruckenden Welle an Zuneigung, Spenden, lieben Worten, liebevollen Karten und Anrufen ihrer Stammgäste unterstützt und motiviert.

Und endlich ist es wieder soweit! Auch Lokale, Bars und Kneipen dürfen wieder öffnen und „das freut uns hier alle sehr“ sagt Lore Onnen.

„Es ist so schön, das erste Bier, das ging weg! Herrlich!“ Mit den Beschränkungen komme sie fürs Erste klar: „30 bis 35 Leute schaffe ich, für die Stammtische ist es natürlich noch schwierig.“

Ihre Gaststätte ist Lore Onnens Lebenselixier. Seit 35 Jahren zapft die energiegeladene 80-Jährige hier ihren Gästen ihr Bier: Jever, Krombacher, Köpi, Kräusen, Duckstein, Erdinger und „Lores Hellweger Urfrisch“, nebenan in der Küche brutzelt der Koch.

Und somit zapft, und zapft, und zapft sie wieder…. für ihre Gäste im „Hellwege“.

Die Gaststätte Hellwege in Eversten hat ihren Stil bis heute bewahrt. Die Gäste schätzen das – und ihre Wirtin.

Die Ärmel ihrer blauen Bluse mit den weißen Pünktchen bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt, zapft Lore Onnen (78) schnell ein paar frische Biere: Jever, Krombacher, Köpi, Kräusen, Duckstein, Erdinger und „Lores Hellweger Urfrisch“ von Pott’s aus Oelde – alle vom Fass. Die Fässer im weißgekachelten Keller wechselt sie blind – nach 45 Jahren an der Zapfanlage, davon 35 bei „Hellwege“. So lange ist sie die beliebte, aber respektierte Chefin und die gute Seele des beliebten Lokals mit seinen Buntglasfenstern und seinen holzvertäfelten Wänden.

Die „Altdeutsche Gaststätte mit deutscher Küche und altdeutschen Flair“, wie sie es im Internet beschreibt, läuft seit Jahrzehnten wie am Schnürchen. Während viele Gaststätten im Laufe der Jahre verschwanden, ist bei Lore Onnen-Fröhlich fast jeden Abend (außer samstags) die Hütte voll.

Warum gehen so viele „zu Lore“: Sportler, Lehrer, Ärzte, Richter, Anwälte aus der ganzen Stadt? Horst Roth sitzt mit seinen Freunden an einem der dicken Holztische unter der gelben Stoffleuchte mit ihrem warmen Licht und stellt sein Bier ab: „Wir waren lange eine Tennisrunde beim OTB, die einen spielen Golf, die andern haben aufgehört, als Gruppe sind wir aber zusammengeblieben – weil wir hier einen Ort gefunden haben, an dem wir uns gerne treffen: Hier gibt es ein vernünftiges Bier, eine freundliche Wirtin und eine gutbürgerliche Küche, wir lieben das.“

Claudia Harms hilft hier seit Jahren aus. Sie mag ihren Nebenjob – „erstmal, weil Lore selber eine ganz tolle Person und für alles zu haben ist, sie ist warmherzig und gibt alles, was sie hat – und weil mir der Stil und die Stimmung hier gefallen“. Zum Bier bringt sie Bodenständiges: Matjes mit Bratkartoffeln oder ein Ratsherrnsteak auf Toast, Currywurst und selbstgemachten Kartoffelsalat, Pfefferschnitzel, Rumpsteaks, hausgemachte Frikadellen, zurzeit frische Pfifferlinge, je nach Jahreszeit natürlich Grünkohl und Spargel, auch für Gesellschaften. Die Küche ihres erfahrenen neuen Kochs kommt an: „Die Gäste sind begeistert“, sagt Harms.

Für Kollegin Kerstin Lönker, die Hellwege seit 20 Jahren kennt, ist es neben dem Essen und Trinken „gerade auch eine Kneipe, in die ich abends als Frau mit einem guten Gefühl alleine gehen kann, außerdem kann sich hier jeder mit jedem unterhalten, wenn er will, das finde ich schön“.

Peter Frank (76), ehemaliger BBS-1-Lehrer und Fachleiter am Studienseminar, ist mit zwei Tischen seit 40 Jahren Stammgast, anfangs noch bei den Hellweges, als Lore Onnen noch die „Münze“ an der Bloherfelder Straße/Ecke Haarenfeld führte (zehn Jahre ab 1973). Frank stärkt sich hier jeden Freitag mit mit seiner Volleyballgruppe – alles Lehrer von 27 bis 76 Jahren, der Tisch ist neunfacher Stadtmeister im Betriebssport – und mit seiner Skigruppe, die zum Teil seit 50 Jahren mit Schülern in Graubünden wedelt: „Hier lassen wir einmal im Monat Bivio hochleben“, so Frank. Zum Erfolgsgeheimnis von Hellwege gehört für ihn „das vorzügliche Essen, die Bratkartoffeln sind legendär, und insbesondere der Umgang der Wirtin mit den Gästen. Sie ist mit Leib und Seele hier, sie kümmert sich um jeden, auch wenn mal Kummer da ist, und prägt das Ganze durch ihre aufgeschlossene Art.“

Lore Onnen, die aus Sensburg/Allenstein (Ostpreußen) nach Oldenburg kam, sagt: „Hellwege hatte schon vorher einen guten Namen. Mir macht das bis heute Spaß, wir haben ein tolles Team und ein Superpublikum, alles nette, interessante Gäste, die ich alle gleich behandle. Die Polizei haben wir hier noch nie gebraucht, und falls mal einer ausfällig werden sollte, kriegt er einen auf die Mütze“, lacht sie. Es sei aber auch toll, „sieben Sorten Bier zu verkaufen, alles läuft, an der Spitze liegt Jever.“ Sie selbst trinkt eher nichts – „ich muss ja jeden Abend noch die sieben Kilometer zu meinem Mann nach Petersfehn fahren“. Außerdem will sie Hellwege so lange wie möglich erhalten bleiben: „Mir fehlt nichts, meine Gene sind alle in Ordnung, meine Mutter ist 96 geworden und mein Großvater 103.“ Stammgast Sven Niemeyer sagt: „Sowas wie Lore ist selten, 45 Jahre in der Gastronomie und das jeden Tag mit Herz und Liebe. Sie ist das Original.“

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