Oldenburg Eine Glasfritte hat nichts mit Fritten, also Pommes frites zu tun. Bei der Herstellung der Glasfritten ist allerdings, genau wie bei den Pommes, viel Hitze im Spiel. Eine Glasfritte ist fein gehacktes schmelzbares Glas, das auf einen Träger gebrannt wird.

Rund 1000 dieser sogenannten Glasfritten befinden sich zusammengesetzt als Mosaik jeweils auf den elf Wappen, die 50 Jahre lang die Fassade des NWZ-Medienhauses an der Grünen Straße zierten. Dargestellt sind die Wappen der Landkreise und Städte, die zum Verbreitungsgebiet der Nordwest-Zeitung gehören, sowie das Wappen des Oldenburger Landes.

Mit dem Umzug des Unternehmens an die Wilhelmshavener Heerstraße 260 nach Etzhorn wurden sie von der Hausverwaltung abgenommen, die Immobilie an der Peterstraße ist an das Pius Hospital verkauft worden.

Restaurierung

Die Zeit hat an den Wappen Spuren hinterlassen, die nun von Restaurator Valentin Skrzypczak behoben worden sind. In der Werkstatt von Igor Kotelnikow im Gewerbegebiet Tweelbäke lagen sie zur Bearbeitung auf Werkbänken. „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“, ist bei der Restaurierung sein Motto.

Gemeint ist damit, so wenig wie möglich der Mosaiksteinchen mit dem winzigen Meißel auszubauen und von der Tragschicht zu lösen. Als erstes hat er allerdings ein Blatt Papier auf die Mosaikwappen gelegt und jeweils die unterschiedlichen Strukturen abgepauscht. So kann er sie

nach der Bearbeitung wieder ohne große Mühen an ihren angestammten Platz zurücklegen und auf einer Spezialmörtelschicht befestigen, nachdem die rostigen beziehungsweise offenen Fugen der Unterlage wieder geschlossen wurden.

Oldenburger Künstler

Hergestellt hatte die Wappen seinerzeit der Anfang 1982 verstorbene Oldenburger Künstler Georg Schmidt-Westerstede, der einen engen Kontakt zur Nordwest-Zeitung gepflegt hatte. Der Untergrund der Wappen besteht aus Blech, die Mosaiken wurden in die dafür vorgesehenen Felder eingebaut.

Schmidt-Westerstede war mutig und akribisch, beschreibt der Restaurator die Arbeit des Künstlers. Mosaiken auf Metallträgern zu verarbeiten sei keine leichte Aufgabe, dazu gehöre einiges handwerkliches Geschick, weil die Materialien unterschiedliche Eigenschaften besäßen, sich bei Hitze oder Kälte folglich verschieden verhielten. Die Glasfritte ist die Unterlage, auf der für die Wappen eine hauchdünne Kupferschicht gelegt wurde. Darüber kam eine sogenannte Glasüberwerfung. Alles zusammen wurde miteinander verschmolzen.

Das Rohmaterial holte Schmidt-Westerstede aus Murano, einer Venedig nordöstlich in der Lagune vorgelagerten Inselgruppe. Die ist berühmt für ihre Glaskünstler. Das Material für die Mosaiken wird heute nur noch in zwei Werkstätten hergestellt, sagt Valentin Skrzypczak. Zehn Stunden Arbeit hat er pro Wappen im Durchschnitt benötigt. Der Aufwand hat sich gelohnt. Sie erstrahlen nun im neuen Glanz. Das Oldenburg-Wappen ziert nun eine Wand im neuen NWZ-Gebäude.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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