Oldenburg Der Gast war braun gebrannt und bei bester Laune. Auf dem Fahrrad kam er morgens ins Ferienlager auf Borkum, wo 500 Kinder aus dem gesamten Oldenburger Land Urlaub machten. Kinder, die sich normalerweise eine solche Ferienreise nicht hätten leisten können und deren Aufenthalt in der Jugendherberge Borkum von Leserinnen und Lesern der „Nordwest-Zeitung“ finanziert worden war.

Mehr als 180 000 Euro waren im Rahmen der NWZ-Weihnachtsaktion 2014 gespendet worden. Mit dem Geld hatte das Rote Kreuz Europas größte Jugendherberge, den ehemaligen Borkumer Marinestützpunkt, angemietet und in ein Ferienparadies verwandelt.

Schröder spendiert Eis

Der Besucher, der zur Stippvisite angeradelt kam, war nicht allein. Begleitet wurde er von zwei Leibwächtern. Als die drei ihre Räder abgestellt hatten, stellte er sich einigen neugierigen Kindern vor: „Guten Morgen! Ich heiße Gerhard Schröder und war mal Bundeskanzler.“ Und an die anwesenden Erwachsenen gewandt fragte er: „Wo kann ich denn mal eine Spende für ein ordentliches Eis abgeben?“ Lachend zitierte er danach die Stammtischparole, dass „der Onkel, der was mitbringt, beliebter ist als die Tante, die Klavier spielt“.

Eingeladen worden war Schröder von seinem Parteifreund Dieter Holzapfel, früher Oberbürgermeister von Oldenburg und damals Präsident des Landesverbandes Oldenburg des Deutschen Roten Kreuzes.

Holzapfel hatte sich mit großem Engagement für die Ferienaktion als Partnerschaftsprojekt von NWZ mit dem Roten Kreuz eingesetzt.

Während der unbeschwerten Borkum-Ferien entstand an anderen Orten die Grundlage für die nächste NWZ-Weihnachtsaktion. Im Sommer 2015 kamen so viele Flüchtlinge auch ins Oldenburger Land, dass die „Nordwest-Zeitung“ ihre Leserinnen und Leser bat, für Projekte Geld zu spenden, die zum Ziel hatten, Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien mit deutschen Kindern und Jugendlichen zusammenzubringen, um die Integration ins neue, ungewohnte Land zu erleichtern.

Tatkräftige Partner

Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk, der Caritas, dem Roten Kreuz und der Arbeiter-Wohlfahrt wurde das anspruchsvolle Hilfsprojekt geplant und umgesetzt. Die Aktion „Willkommen im Oldenburger Land“ gehört mit Sicherheit zu den Höhepunkten in der langen Geschichte der NWZ-Weihnachtsaktion.

Angefangen hat alles am 10.November 1979. Die Stadt Oldenburg plante damals für das Elisabeth-Kinderkrankenhaus das „Kinderzentrum Oldenburg“, das der Früherkennung und Frühbehandlung hirngeschädigter Kinder dienen sollte. Das Zentrum sollte für einen Einzugsbereich von 400 000 Menschen im Oldenburger Land zuständig sein und eine erhebliche Verbesserung der medizinischen Versorgung von Kleinstkindern darstellen.

Um einen neuen Impuls für das Projekt zu setzen, beschloss die „Nordwest-Zeitung“, ihre Leserinnen und Leser um Spenden für das Vorhaben zu bitten.

Unter dem Motto „Hilfe für kranke Kleinkinder“ startete damals die erste NWZ-Weihnachtsaktion, die sich im Laufe der Jahre dann zu der größten regelmäßigen Wohltätigkeitsaktion im Nordwesten Deutschlands entwickeln sollte. Seit inzwischen mehr als 40 Jahren steht die NWZ-Weihnachtsaktion für tatkräftige Menschlichkeit, für das große Herz der Starken für die Schwachen in der Gesellschaft, für Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Mehr als sechs Millionen Euro wurden seitdem für unterschiedlichste gute Zwecke ausgegeben, eine Erfolgsgeschichte der ganz besonderen Art.

Begonnen hat das Projekt als Herzensangelegenheit der Verlegerfamilien Köser und von Bothmer. Immer wieder geht es um Hilfe und Unterstützung für Kinder: Kranke und sterbende Kinder, Kinder, deren Familien in wirtschaftlicher Notlage waren, Kinder, deren Eltern nach Deutschland geflohen waren, Waisenkinder in Weißrussland, Projekte für Kinder in Afghanistan und Ghana. Eine breite Palette guter Taten, bei denen die Leserinnen und Leser der NWZ tatkräftig mithalfen.

Eine Besonderheit unterscheidet die NWZ-Weihnachtsaktion von vielen anderen Spendensammlungen. Buchstäblich jeder Cent wird für den Spendenzweck ausgegeben. Alle Kosten werden von der NWZ getragen. Gleichzeitig maßt sich die NWZ nicht an, über die konkrete Verwendung der Gelder zu entscheiden. Dies geschieht mit kompetenten Partnern wie der Diakonie, der Caritas, dem Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt oder auch Institutionen wie der DLRG oder Trägervereinen unterstützter Projekte.

Damit die Spenden auch steuerlich berücksichtigt werden können, wurde vor Jahren die gemeinnützige NWZ-Stiftung gegründet, die sowohl von Wirtschaftsprüfern regelmäßig kontrolliert wird als auch der staatlichen Stiftungsaufsicht untersteht.

Unterstützt wird die NWZ-Weihnachtsaktion Jahr für Jahr von einer Vielzahl von Institutionen und Gruppierungen: Kindergärten und Kirchengemeinden, Schulen, Vereine und Firmen. Sie alle zu benennen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Veranstaltungen der vielfältigsten Art finden regelmäßig zur Unterstützung der Weihnachtsaktion statt. Sponsorenläufe, Sammlungen, Basare, Versteigerungen, Lesungen, Konzerte...

Und dann gibt es Projekte, die deutlich machen, wie aus ganz kleinen Dingen etwas Großes werden kann. Die „Cent-Initiative“ der NWZ-Beschäftigten gehört dazu. Monat für Monat verzichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der NWZ-Mediengruppe auf die Cent-Beträge ihres Gehalts – am Ende wird das so gesparte Geld vom Verlag verdoppelt, so dass jedes Jahr auf diese Weise Zehntausende Euro in die Weihnachtsaktion eingezahlt werden.

Immer wieder gibt es die kleinen besonderen Momente, die nicht ins Scheinwerferlicht der öffentlichen Darstellung geraten. Wenn beispielsweise ein Kind, das unterstützt wurde, seine Eltern mit strahlenden Augen, aber doch staunend fragt, warum wildfremde Menschen ihm denn geholfen hätten. Das sind die Augenblicke, für die es sich lohnt, sich einzusetzen. Wenn abstraktes Wohlwollen zu konkreter Hilfe wird.

Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.