Westerstede „Glanzvoller Eintritt ins Stadtleben“ – so überschrieb die NWZ  am 31. Mai 1977 jenes Ereignis, mit dem der ammerländische Kreissitz Westerstede aus dem Rang einer Gemeinde in den einer Stadt erhoben wurde.

Manfred Hüniken war damals Bürgermeister, und er hatte zwei Wünsche: An dem traditionell harmonischen Verhältnis zwischen Westerstede und den ländlichen Außenbezirken dürfe sich nichts ändern. Zum anderen bat er alle Verantwortlichen, „Kommunen wie Westerstede ein hohes Maß an Entscheidungsfreiheit zu gewähren und dafür zu sorgen, dass sie nicht durch alle möglichen Vorbehalte weitgehend zu Vollzugsorganen der Kreise und der Regierung werden“.

Mit Westerstede erhielt der einstige Verwaltungsbezirk Oldenburg seine 14. Stadt.

Für die Westersteder Bürger änderte sich durch die Aufwertung eigentlich nichts. Die Steuersätze blieben unverändert, und mit höheren Finanzzuweisungen von Bund und Land war auch nicht zu rechnen. Im Rathaus gab es einen neuen Briefkopf und Behördenstempel. An der Spitze der Verwaltung stand jetzt der Stadtdirektor und nicht mehr der Gemeindedirektor, und aus dem Gemeinderat wurde der Stadtrat.

Städtisch wurden Schulen und das Altenheim. Doch gleich blieben die Gehälter und Entschädigungen der haupt- und ehrenamtlich Tätigen in Politik und Verwaltung.

Und doch konnten die Westersteder stolz auf ihren neuen Titel „Stadt“ sein. „Das ist eine Anerkennung für die Gemeinde, ebenso aber eine Verpflichtung für Bürger und Kommunalpolitiker, auch weiter wachsenden Anforderungen gerecht zu werden“, betonte der damalige Innenminister Rötger Groß.

Udo von Soosten, Vorsitzender des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, rief dazu auf, „die kommunale Selbstverwaltung mit Klauen und Zähnen zu verteidigen“. Und er wusste, dass „die nun junge Stadt Westerstede dank ihrer Zentralitäten, der Wirtschaftskraft und des bewiesenen Bürgerfleißes ihren Weg machen wird“.

Die Verleihung der Stadtrechte wurde zu einem „denkwürdigen Tag in Westerstede“, überschrieb der damalige Leiter der NWZ -Ammerland-Redaktion, Helmut Harms, „dieses kommunalgeschichtlich bedeutsame Ereignis“. Nicht nur die erschienene Prominenz zeichnete diesen Tag aus, sondern auch „das ungewöhnlich aktive Mitwirken der Bürger und ihrer Vereinigungen“. Das alles unter einem „fast wolkenlosen Himmel, von dem die Maisonne das malerische Schauspiel vor historischem Hintergrund und inmitten einer blühenden Gartenlandschaft der Rhodo ‘77 beschien“.

Der Zwischenahner Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Dieter Osmers enthüllte am Rathaus die Tafel mit der Aufschrift „Stadtverwaltung – Standesamt“, Parforcehorn-Bläser des Reiterverbandes Ammerland leiteten die Feier mit Signalen ein, die Halsbeker Landjugend spielte auf der Freilichtbühne „Hahn im Korb“, Volkstänzer aus Torsholt und Ocholt wirbelten in Trachten herum, und beim Ball mit der Oberkrainer Trachtenkapelle war die Festhalle bis auf den letzten Platz besetzt.

Hintergrund der Ernennung Westerstedes zur Stadt war die Gemeindereform, die einen Zusammenschluss von mehr als 4000 Gemeinden zu rund 420 neuen Verwaltungseinheiten vorsah. „Zu den Gemeinden, die dem Erscheinungsbild einer dörflichen Gemeinde entwachsen sind, gehört auch Westerstede“, betonte Innenminister Groß in seinem Grußwort, veröffentlicht in einer 20-seitigen Sonderbeilage der NWZ .

Gewachsen war Westerstede seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1123 ständig. 1856 wurde Westerstede „politische Gemeinde“.

Inzwischen hatte Westerstede seinen Charakter als Amts- und Behördensitz gefestigt. 1933 wurde die Kommune Kreissitz.


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