Hage Pränataldiagnostik und Erst-Trimester-Screening: Das waren bis vor wenigen Wochen für mich noch blanke Worthülsen. Die Bedeutung kannte ich ungefähr, aber keinesfalls wusste ich, was für eine Bedeutung sie für werdende Eltern haben. Die Untersuchung in der 14. Woche war die bislang aufregendste Erfahrung meines Lebens – und meiner Frau geht es genauso.

Die Tour wird zur Tortur

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem die Untersuchung anstand: Eine einstündige Autofahrt trennte uns von der Arztpraxis. Eigentlich heißt das: Einsteigen und losfahren. An diesem Tag hieß das: Gefühlt dreihundert Mal auf die Uhr schauen, vier Mal die Route planen und eine halbe Stunde früher als üblich losfahren, um auf keinen Fall zu spät zu kommen. Und unterwegs musste ich zwei Pinkelpausen einlegen. Die Nervosität schlug auf die Blase.

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Wie entscheiden wir uns?

Jede Prüfung in Schule oder Studium war ein Witz im Vergleich zu dieser Untersuchung. Da war das Ergebnis nämlich der Lohn der eigenen Arbeit – oder eben eigenen Faulheit. Man hatte es in der Hand. Doch bei der Erst-Trimester-Untersuchung konnten wir das Ergebnis nicht beeinflussen. Ein Gefühl der Ohnmacht. Dauernd fragte ich mich: Wie entscheiden wir uns, wenn etwas auffällig ist? Wenn nicht alles „der Norm“ entspricht? Was, wenn das Ungeborene behindert sein wird?

Dabei ging es um grundlegende, moralische Fragen. Fragen, die man in keinem Werte und Normen-Kurs in der Schule beantwortet bekommt. Fragen, die viele sich nie stellen. Weil sie unbequem sind. Weil sie nicht leicht zu beantworten sind. Und eine Frage, auf die nicht nur ich allein eine Antwort zu finden hatte, sondern wir als Paar. Als werdende Eltern. Und da interessiert mich: Wie war das bei dir oder euch? Wie habt ihr die Erst-Trimester-Untersuchung erlebt? Habt ihr sie überhaupt durchgeführt und wenn ja – wie fiel die Entscheidung aus oder wie wäre sie ausgefallen? Schreibt mir gern dazu.

Eine Zitterpartie

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Aber nun zurück zu der Untersuchung. Angekommen am Ort des Geschehens gingen wir in die Praxis, setzten uns und warteten, bis der Arzt uns aufrief. Nach einer kurzen Erklärung ging es schon los. Meine Frau nahm auf der Liege Platz, ich auf einem Stuhl. Gebannt schaute ich in den großen Fernseher in dem abgedunkelten Raum, auf dem die Ultraschall-Aufnahmen zu sehen waren. Es war das erste Mal, dass ich unser Kind im Bewegtbild sah. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Doch die Anspannung war enorm. Bis in den letzten Zentimeter aller Gliedmaßen konnte ich sie spüren. Womöglich habe ich auch gezittert, als ich die Hand meiner Frau hielt. Bis der Arzt dann endlich sagte: „Alles gut“. Und plötzlich war auch alles gut. In diesem Moment verstand ich, wenn jemand davon sprach, dass ihm ein Stein vom Herzen gefallen sei. Und es war der Moment, in dem uns erspart wurde, auf die schwierigste Frage unseres Lebens eine Antwort geben zu müssen. Wie habt oder hättet ihr die Frage im Fall der Fälle beantwortet? Ich freue mich, wenn ihr mir und uns davon erzählt! Schreibt mir gern dazu - und wenn ihr wollt, auch anonym.

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