Vorsätzlicher Bankrott?

Chef-Ermittler sagt als Zeuge im Schlecker-Prozess aus

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Auf dem Weg zum Landgericht Stuttgart: Anwalt Olaf Hohmann (von links nach rechts), Meike Schlecker und der ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker kommen zum 20.Verhandlungstag. Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Ex-Drogerie-Chef Anton Schlecker soll vor der Insolvenz absichtlich Teile seines Vermögens beiseite geschafft haben. Er habe zahlreiche Grundstücke an seine Kinder übertragen, sagt der Ermittler. Auch machte Schlecker ihnen luxuriöse Geschenke.

Stuttgart Der frühere Drogerieunternehmer Anton Schlecker hat in den Jahren vor der Insolvenz zahlreiche Grundstücke an seine beiden Kinder Meike und Lars übertragen. Dies sagte der Chef-Ermittler im dem Prozess am Freitag vor dem Stuttgarter Landgericht. Auch an seine Frau Christa seien Grundstücke gegangen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 72-Jährigen vorsätzlichen Bankrott vor. Er habe absichtlich Bestandteile seines Vermögens, das im Falle einer Insolvenz den Gläubigern zugestanden hätte, beiseite geschafft. Laut Anklage soll Schlecker so Vermögen vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt und mehr als 20 Millionen Euro in vielen Einzelbeträgen gesichert haben.

Schlecker hatte Anfang 2012 Insolvenz angemeldet. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass der Firma spätestens Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte und der Gründer darüber im Bilde war. Schlecker wies die Vorwürfe in der Vergangenheit zurück. Der Chef der Ermittlungsgruppe „Watte“ sagte, dass er seinen Kindern auch einen Tennisplatz geschenkt habe und seinem Sohn eine Wohnung in Berlin kaufte und renovierte. Letzteres summierte sich auf rund zwei Millionen Euro. Seine beiden Kinder werden in dem Verfahren der Beihilfe beschuldigt. Der Vater habe ihnen auch eine Reise nach Antigua im Wert von 58.000 Euro bezahlt.

Bei Anton Schlecker sei kein nennenswertes Vermögen mehr auf den Konten gefunden worden, sagte der Zeuge. Bei den Kindern und ihrer Mutter Christa waren es demnach je rund zehn Millionen Euro. Die zeitweise bis zu zehn Ermittler nahmen 30 Konten der Familie unter die Lupe. Es seien keine Überweisungen ins Ausland festgesellt worden. Nach der Sommerpause steht der nächste Verhandlungstag am 4. September an.

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