Künstlerkolonie Ahrenshoop

Das ostdeutsche Worpswede feiert Jubiläum

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Der Kunstkaten ist ein Aushängeschild von Ahrenshoop, das in diesem Jahr das 125-jährige Jubiläum der Malerkolonie feiert. Bild: Bernd Wüstneck/dpa

Ahrenshoop hat einen guten Ruf als Künstlerkolonie - vergleichbar mit Worpswede bei Bremen. 125 Jahre wird die Kolonie in diesem Jahr alt. Das ist Anlass für ein Festjahr unter dem Motto „Traditionen bewahren - im Zeitgeist leben“.

Ahrenshoop 680 Einwohner, zwei Kunsthäuser, sechs Galerien. Diese Aufzählung macht klar, wo der Schwerpunkt des Ostseebads Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst liegt: in der Kunst. Und das seit 125 Jahren. 1892 baute sich Paul Müller-Kaempff (1861-1941) in dem damals noch einsamen Fischerdorf ein Haus und legte den Grundstein für die Künstlerkolonie, deren Jubiläum vom 25. März an bis in den Oktober hinein gefeiert wird.

Dutzende Künstler fanden dort die Muße, die Umgebung und das passende Licht für ihr Wirken. Zur Gründergeneration gehörten etwa Anna Gerresheim (1852-1921), Elisabeth von Eicken (1862-1940) und Carl Malchin (1838-1923) - klingende Namen für Kunstinteressierte. Ein Kunstpfad soll die Besucher zu den Orten führen, von deren Warte aus die Künstler ihre Gemälde fertigten, sagt Kurdirektor Roland Völcker.

Zwei prägnante Wegmarken sollen auf das Jubiläum aufmerksam machen. Dazu habe Moritz Götze, einer der renommiertesten Vertreter der deutschen Popart, zwei Holzskulpturen gefertigt. Eine fünf Meter hohe Abbildung von Müller-Kaempff steht auf dem 18 Meter hohen Bakelberg. Gegenüber auf dem Schifferberg wird die Interpretation eines „Malweibes“ errichtet. Beide Werke sind nicht für die Ewigkeit, sie werden verrotten, sagt Völcker.

Das Jubiläum ist Anlass für ein Festjahr unter dem Motto „Traditionen bewahren - im Zeitgeist leben“. Dessen Herzstück ist die Ausstellung „Licht, Luft, Freiheit“ in dem 2013 eröffneten Kunstmuseum. Dort werden rund 90 Gemälde der Hauptvertreter der Gründergeneration gezeigt. „Viele erstmals“, betont Marion Schael vom Museum.

„Es ist ein Dreiklang, der Ahrenshoop für jeden Künstler interessant macht“, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister Hans Götze, selbst Maler und Grafiker. Einen Teil bilde die über Jahrzehnte gewachsene und noch vorhandene dörfliche Struktur. „Zudem ist Ahrenshoop mit einer intakten Natur gesegnet.“ Dazu gehören der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, die Ostsee und der Bodden quasi vor der Haustür. „Wir bemühen uns, die Natur in dieser Form zu erhalten“, sagte Götze.

Den Dreiklang mache die Kunst und das entsprechende künstlerische Klima komplett, ist Götze überzeugt. Äußeres Zeichen davon seien die viele reetgedeckten Häuser und das kulturelle Angebot, dass nicht nur zur Hauptsaison geboten wird. Die Gäste kämen, nicht nur um die Kunst zu bestaunen, sondern auch an einem der Kunstkurse teilzunehmen. Der kleine Ort kann aber auch ohne Kunst nicht über mangelnden Zuspruch nicht: Rund 380 000 Übernachtungen wurden 2016 gezählt.

Zum prägenden Kern Ahrenshoops gehören auch die Stipendiaten, sagt Gerlinde Creutzburg. Sie ist Direktorin des Künstlerhauses Lukas in dem von Kaempff gebauten Haus. „Ich bin in Ahrenshoop für die Zukunft zuständig.“ Monatlich kämen etwa sechs junge Künstler ins Dorf aus allen Kunstbereichen, neben der bildenden Kunst auch noch Literatur, Komposition und Performance. 150.000 Euro würden investiert, ein Großteil komme vom Land.

Ahrenshoop brauche keinen Vergleich mit der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen zu scheuen, sagt Creutzburg. „Worpswede ist das westdeutsche Ahrenshoop, Ahrenshoop ist das ostdeutsche Worpswede.“ Die Ostseegemeinde sei stets, auch in den Kriegs- und Nachkriegsjahren, ein Rückzugsort namhafter Künstler gewesen. „Sie haben sich dorthin begeben, um Licht, Luft und Freiheit zu genießen und sich daraus inspirieren zu lassen“, berichtet Schael.

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