Ermittlungen In Oldenburg

Hat ehemaliger Chefarzt Patienten falsch behandelt?

Sabine Schicke
Redaktion Oldenburg

Tel.: 0441 9988 2103
Fax: 0441 9988 2109

Alle Artikel des Autors

Marco Seng
Reportage-Redaktion

Tel.: 0441 9988 2008
Fax: 0441 9988 2029

Alle Artikel des Autors

  • Bild

    In das Klinikum Oldenburg kommen Menschen aus der gesamten Region. Viele kleinere Kliniken aus dem Umland überweisen Patienten an das Haus.

    Bild: Archiv

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigt Ermittlungen gegen einen Chefarzt des Klinikums – er soll Behandlungsfehler begangen und falsche Abrechnungen verantwortet haben. Das Ergebnis wird allerdings auf sich warten lassen.

Oldenburg Offizielle Bestätigung der Ermittlungen gegen einen Chefarzt des Klinikums Oldenburg: Vier Fälle von strafrechtlich relevanten Behandlungsfehlern und falsche Abrechnungen lauten die Vorwürfe, deretwegen die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen den Mann ermittelt. Bereits am Freitag waren die Räume des Klinikums von der Polizei durchsucht und Unterlagen sichergestellt worden.

Mit der Schilderung dieses Sachverhalts beantwortete die Staatsanwaltschaft erst am Montag Fragen, die von der NWZ in Zusammenhang mit der Kündigung von Prof. Hans-Rudolf Raab bereits am Donnerstag an die Behörde gestellt worden waren. Wie Pressesprecher Torben Tölle mitteilt, habe das Klinikum zunächst auf Grundlage einer Zeugenaussage selbst recherchiert und dann die Staatsanwaltschaft über strafrechtlich relevante Verdachtsmomente informiert.

Überraschend hatte sich vergangene Woche Prof. Hans-Rudolf Raab, Direktor der Klink für Allgemein und Viszeralchirurgie, von dem Krankenhaus getrennt. Das wurde in einer Mitteilung des Krankenhauses bekanntgegeben. Persönliche Gründe und Differenzen in der Klinikführung – Raab war stellvertretender Vorsitzender des ärztlichen Direktoriums – wurden als Ursache für diesen Schritt genannt. Diese Angaben waren allerdings nur zwei der vielschichtigen Gründe. Trotz der intern weitgehend bekannten Vorwürfe haben beide Seiten sich sogar auf einen Auflösungsvertrag geeinigt.

Kommentar: Lückenlose Aufklärung

Chirurgen stehen oft mit einem Bein im Gefängnis, weil sie – um Patienten zu retten – Dinge wagen, bei denen auch Menschen sterben können. Prof. Dr. Hans-Rudolf Raab hat vielen Menschen das Leben gerettet oder deren Lebenszeit entscheidend verlängert, weil er oft den Mut bewiesen hat, noch zu operieren, wo andere längst aufgaben.

Doch auch ein deutschlandweit hoch geschätzter Chirurg ist an geltendes Recht gebunden und hat zum Wohle seiner Patienten zu entscheiden. Nicht von ungefähr gibt es seit geraumer Zeit in Krankenhäusern (und auch im Klinikum) Hotlines zu Anwälten, in denen Mitarbeiter Fehler auch anonym melden können. Nicht von ungefähr hat man gerade in der Chirurgie Sicherheitssysteme eingezogen – wie etwa das Zählen von OP-Tüchern vor und nach der Operation. Ohne Frage lastet auf allen, die Stunden am OP-Tisch stehen und operieren, ein hoher Druck.

Im Klinikum ist man nach dem Fall Niels Högel gut beraten, Öffentlichkeit herzustellen. Und als Medium ist man verpflichtet, über Verfehlungen zu berichten. Justizbehörden und Polizei halten Fakten trotz offizieller Anfragen zurück, wie in diesem Fall die Bestätigung der Durchsuchung und Ermittlung. Das erschwert die Recherche von Journalisten, die der Öffentlichkeit ebenso Verantwortung schulden, wenn sie vom Verdacht einer Straftat Kenntnis haben.

Klinikum-Vorstand Dr. Dirk Tenzer wollte auf Nachfrage zu dem laufenden Verfahren keinen Kommentar abgeben. Er erklärte jedoch, dass im Klinikum im November 2014 ein sogenanntes Whistleblowing-Verfahren eingeführt worden sei – nicht zuletzt als Reaktion auf den Fall Niels Högel. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können anonym oder mit Namen auf Missstände und Fehler hinweisen.

Daher habe es Hinweise auf Vorfälle in jüngster Zeit gegeben, und man habe sich an die Justizbehörden gewandt. Zu dem Verdacht der Behandlungsfehler und falschen Abrechnungen, die von der Staatsanwaltschaft Oldenburg an diesem Montag genannt wurden, wollte der Klinikum-Vorstand nichts sagen. „Das müssen und werden Gerichte klären.“ Er werde niemanden vorverurteilen. Bisher seien es lediglich Ermittlungen und es sei noch keine Anklage erhoben worden.

Prof. Dr. Hans-Rudolf Raab verwies auf Nachfrage an seinen Rechtsanwalt, den Berliner Strafrechtler Robert Unger. „Die Vorwürfe sind falsch und in jeder Hinsicht haltlos“, sagte Unger im Gespräch mit der NWZ, „das werden die Ermittlungen ergeben. Es handelt sich hier um eine persönliche Intrige gegen Professor Raab.“ Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Auswertung der beschlagnahmten Akten und die Befragung der Zeugen noch dauern wird. Bis dahin will die Behörde zu dem schwebenden Ermittlungsverfahren keine Angaben mehr machen.

Mehr aus diesem Ressort

Politik

Panorama

Sport

Wirtschaft

Kultur

Digitale Welt

Motor

Reisen

Aktuelle Fotostrecken