Polizei Schießt Auf Demonstranten

Menschenrechtler melden 24 Tote nach Wahl in Kenia

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Auch in Kisumu kam es zu Protesten von Oppositionsanhängern. Bild: ap

Unruhen waren nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses in Kenia bereits befürchtet worden. Obwohl die unterlegene Opposition nicht zu Massenprotesten aufgerufen hat, kostet die Gewalt viele Menschen das Leben.

Nairobi Polizeischüsse bei Protesten haben seit der umstrittenen Präsidentenwahl in Kenia am Dienstag nach Angaben einer Menschenrechtsgruppe 24 Menschen das Leben gekostet. 17 der zwei Dutzend Todesfälle hätten sich in der Hauptstadt Nairobi ereignet, teilte die Nationale Kommission zu Menschenrechten Kenias am Samstag mit. Die Zahl basiere zum Teil auf Berichten von Familien- und Gemeindeangehörigen. Die Gewalt nach dem offiziellen Wahlsieg von Amtsinhaber Uhuru Kenyatta nahm am Samstag zu.

Die Polizei setzte Tränengas gegen einen Konvoi von Oppositionsvertretern in Nairobi ein. Nach Angaben aus einer Leichenhalle wurden neun Leichen mit Schussverletzungen aus einem Slum in Nairobi hergebracht, das eine Hochburg der Opposition ist. Ein Vater erklärte, seine neunjährige Tochter sei beim Spielen mit Freunden auf einem Balkon von einer verirrten Kugel tödlich getroffen worden.

Die kenianische Polizei erschoss dem Polizeikommandeur Leonard Katana zufolge zwei Menschen bei Unruhen von Oppositionsanhängern am Stadtrand von Kisumu, wo der laut Wahlkommission unterlegene Oppositionskandidat Raila Odinga starke Unterstützung genießt. Weitere fünf Personen seien von Schüssen in Kisumu verletzt worden.

Augenzeugen sagten, kenianische Polizeibeamte hätten mindestens vier Journalisten angegriffen, die über die Proteste zur Wiederwahl Kenyattas berichtet hätten. Gegen die Journalisten seien am Samstag Tränengas und Schlagstöcke eingesetzt worden. Ihre Ausrüstung sei beschlagnahmt worden oder sie hätten Inhalte löschen müssen.

Odingas Bruder Oburu Odinga sagte, die Regierung sollte „die willkürliche Tötung unserer Leute“ beenden. Die Regierung warf „Kriminellen“ vor, den angespannten Wahlzeitraum auszunutzen, um zu plündern und Eigentum zu zerstören.

In loyal zu Raila Odinga stehenden Slums in Nairobi eröffnete die Polizei das Feuer, um Demonstranten zu vertreiben. Diese hatten Straßen blockiert und Barrikaden in Brand gesetzt. Fotografen der Nachrichtenagentur AP sahen, wie Polizisten in der Gegend von Mathare mit scharfer Munition schossen und Tränengas einsetzten. Ähnliche Szenen wurden in Kibera beobachtet, einem weiteren Slum von Nairobi. Ein Mensch sei in der Nacht in Kibera erschossen worden, sagte Sam Ochieng, ein früherer Vorsitzender von Odingas Partei dort.

Die Katholische Bischofskonferenz in Kenia rief am Samstag zur Ruhe auf. Der Vizevorsitzende der Bischofskonferenz, John Oballa Owaa, forderte die Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung auf. „Kein Leben sollte wegen einer Wahl verlorengehen“, sagte er. Die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International riefen die Polizei ebenfalls zur Zurückhaltung auf.

Die Wahlkommission hatte Kenyatta am Freitag zum Sieger erklärt. Der 55-Jährige erhielt demnach bei der Wahl am vergangenen Dienstag 54,27 Prozent der Stimmen, sein Gegner Odinga 44,74 Prozent. Die Kommission bezeichnete die Wahl als „glaubwürdig, fair und friedlich“. Nachdem die Opposition Betrugsvorwürfe erhoben hatte, rief Kenyatta das ostafrikanische Land zur Einheit auf. Er reiche Odinga und all dessen Anhängern die Hand, sagte er.

Der frühere Ministerpräsident Odinga hatte bereits die Wahl im Jahr 2007 verloren. Damals war es im Anschluss an die Abstimmung zu Gewalt gekommen, bei der mehr als 1000 Menschen getötet wurden. Gegen Kenyatta verlor Odinga auch die Wahl 2013. Er brachte damals Wahlmanipulationsvorwürfe vor den Obersten Gerichtshof, der sein Anliegen aber ablehnte. Seit der Wahl vom Dienstag rief die Führung der Opposition bislang nicht öffentlich zu Massenprotesten auf.

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