Astronaut Gerst Eröffnet Ausstellung

Der Mars ist in Künzelsau „greifbar nah“

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ESA-Astronaut Alexander Gerst eröffnete die Ausstellung „Das neue Bild vom Nachbarn Mars“ in seiner Heimatstadt Künzelsau (Baden-Württemberg). Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Raumfahrer Alexander Gerst unterbricht extra sein Training und eröffnet in seiner Heimatstadt eine Ausstellung über den Mars. Um die Erforschung des Wüstenplaneten ist längst ein internationales Rennen entbrannt.

Künzelsau Als erster Deutscher führt er im nächsten Jahr als Kommandant ein Raumschiff - aber vorher findet Alexander Gerst noch Zeit für einen letzten offiziellen Besuch in seiner Heimatstadt. Für den Ehrenbürger von Künzelsau ist die Eröffnung einer Ausstellung über den Mars eine Herzensangelegenheit. Denn um die Erforschung des Roten Planeten ist längst ein internationales Wettrennen entbrannt.

„Vielen ist nicht bewusst, wie greifbar nah unsere kosmischen Nachbarn inzwischen gekommen sind und wie wichtig es ist, dass wir sie erforschen“, sagt Gerst. Für ihn sind Mars und Mond eine Art achter und neunter Kontinent. „Die Ausstellung soll von unserem Nachbarplaneten einen besseren Eindruck vermitteln“, betont er.

Stefan Neumann, Bürgermeister von Künzelsau im Nordosten Baden-Württembergs, ist stolz auf den Besuch. „Dass er sich bei seinem straffen Trainingsprogramm die Zeit nimmt, freut uns wahnsinnig“, sagt der CDU-Politiker.

Gerst pendelt seit Monaten zwischen den USA und Russland, um sich auf seine Mission auf der Internationalen Raumstation ISS im kommenden Frühjahr vorzubereiten. In der zweiten Hälfte seiner Einsatzzeit wird es für die deutsche Raumfahrt zu einer nie da gewesenen Konstellation kommen: Im All wird dann ein Deutscher die Rolle des Stationskommandanten innehaben, während auf der Erde ein Deutscher weiterhin die Geschicke der europäischen Raumfahrtagentur Esa leitet - Johann-Dietrich Wörner, der ebenfalls in Künzelsau erwartet wurde.

Von Vorfreude auf die Mission spricht Gerst bei der Eröffnung. „Ich weiß ja, was mich erwartet. Die Umgebung ist wunderschön zum Arbeiten. Den Planeten zu sehen - und zu wissen, ich mache hier wissenschaftliche Experimente, die das Leben auf der Erde verbessern“, sagt der Raumfahrer in Künzelsau dem SWR.

Auch für Wörner ist die Ausstellung mit 3D-Fotos eher Information als Unterhaltung. „Mit Menschen zum Mars zu fliegen, wäre mit der heutigen Technologie nicht möglich: Strahlung, Wiederstart, Gesundheit“, sagt Europas Raumfahrtchef der Deutschen Presse-Agentur.

Der gebürtige Hesse ist aber überzeugt, dass eines Tages auch im Staub des rötlich schimmernden Planeten ein Fußabdruck zu sehen sein wird. „Der Mensch hat in der Vergangenheit immer alle Schwierigkeiten überwunden, um neue Welten zu erkunden“, sagt der 63-Jährige.

Fast wäre vor kurzem bereits ein „Europäer“ auf dem Mars gelandet: Die Esa hatte gemeinsam mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos im Oktober die Sonde „Schiaparelli“ zum Wüstenplaneten geschickt. Durch einen Computerfehler zerschellte das Gerät jedoch beim Landeversuch. „Schiaparelli“ war Teil des milliardenschweren Projekts ExoMars, mit dem Europa nach Leben auf dem Roten Planeten sucht.

2020 wollen Esa und Roskosmos einen Rover zum Mars schicken und es damit der Nasa gleichtun: Das US-Gefährt Curiosity fährt seit genau fünf Jahren über den Mars. „Curiosity hat Entdeckungen gemacht, die die Vermutung der Existenz von Wasser und organischen Material erhärten“, sagt Europas Raumfahrtchef Wörner.

Der Geophysiker Gerst meint, es spreche viel dafür, dass auf dem öden Mars einmal ähnliche Bedingungen herrschten wie heute auf der Erde. „Wie kam es zu dieser Wüste? Droht das der Erde? Auch deswegen sollten wir den Mars erforschen“, sagt der 41-Jährige. Längst ist der Wettbewerb eröffnet: In Amerika und China tüfteln Wissenschaftler an Mars-Missionen. Technikpioniere wie US-Unternehmer Elon Musk wollen Menschen dorthin schicken - wie im Hollywood-Film „Der Marsianer“. Und der frühere US-Präsident Barack Obama gab ein ehrgeiziges Ziel vor: „Bis 2035 sollen Astronauten auf dem Mars landen.“

Gerst landet erst einmal in Künzelsau. Er arbeitete im vergangenen Jahr bereits sechs Monate lang auf der ISS und umrundete dabei die Erde mehr als 2500 Mal. Damals organisierte die Heimatgemeinde eine Live-Schalte ins All zum berühmtesten Sohn der Stadt. Für 2018 habe Künzelsau bereits eine feste Zusage, sagt Bürgermeister Neumann. „Aber wann das sein wird, wird kurzfristig geplant.“

Gerst war der elfte Deutsche im All - diese Zahl übertreffen nur die Raumfahrtgroßmächte USA und Russland. Die Ausstellung „Das neue Bild vom Nachbarn Mars“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) soll im Kultur- und Kongresszentrum Carmen Würth Forum die Faszination der Erforschung des Kosmos näherbringen. Aufgenommen wurden die Fotos von einer DLR-Hochleistungskamera an Bord einer Sonde. Für den Rundgang erhalten Besucher 3D-Brillen kostenlos.

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