Studie Des Oldenburg Offis

Wie hilfreich sind Fitnesstracker wirklich?

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Ob als App auf dem Smartphone oder als Armband am Handgelenk: „Aktivitätstracker“ sollen Nutzer beispielsweise zu mehr Bewegung motivieren. Bild: Offis

Ob Schritte pro Tag, Kilokalorien pro Mahlzeit oder Schlaf pro Nacht – Geräte, die all das erfassen, erobern den Alltag. Forscher aus Oldenburg haben nun Daten zur allgemeinen Tracker-Nutzung ausgewertet.

Oldenburg Gut geschlafen? Ein Blick auf die App verrät es. Mehr Bewegung in den Alltag integrieren und gesünder leben, häufig nur ein Vorsatz. Damit Taten folgen, sollen „Fitnessnessarmbänder“ oder „Aktivitätstracker“ motivieren und zeigen, wie die Pfunde purzeln.

Eine spontane Miniumfrage im Bekanntenkreis lässt es meist erkennen – über die Nutzung streiten sich die Geister: Manche Menschen möchten sich möglichst gut kennen(-lernen) und andere empfinden es als unnötig oder gar als Belastung. Einen Blick hinter das subjektive Empfinden Einzelner haben die Forscher am Informatikinstitut Offis vorgenommen. Es wurden Studien durchgeführt, die das „Warum“ und das „Wie“ in der Nutzung von derartigen Trackern näher analysieren.

So haben die Offis-Forscher die qualitativen Daten zur allgemeinen Tracker-Nutzung, periodische Änderungen und die Gesamtveränderungen im Laufe der Zeit von über 100 Personen über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren analysiert und in mehreren, teilweise noch unveröffentlichten Studien genauer hingeschaut. Im Folgenden einige Auszüge der Analyse.

Frage: Wer sind die Benutzer von Fitnesstrackern ?

Das Durchschnittsalter liegt deutlich über 40 Jahren, es sind also nicht nur die sportlichen 20-Jährigen, wie man im ersten Moment glauben könnte. Eine grundsätzliche Offenheit für Technik bei den Nutzern ist wichtig. Technikinteressierte Nutzer scheinen eher bereit zu sein, einen Tracker zu verwenden, denn die erstmalige Installation von Software auf dem Smartphone oder dem PC ist eine Hürde, die zwar klein ist, aber doch genommen werden muss.

Frage: Wie werden die Tracker eingesetzt ?

Es gibt einige Nutzer, die ihren Tracker über viele Monate hin jeden Tag von morgens bis abends nutzen. Ein Großteil der Anwender hat jedoch ein sporadischeres Nutzungsverhalten, das sich in viele verschiedene Verhaltensmuster unterteilen, beispielsweise:
  Manche nutzen ihn für einige Tage und lassen ihn dann für einige Tage liegen – hier scheint der Wunsch im Vordergrund zu stehen, eine Belohnung für ein gutes Verhalten in Form einer hohen Schrittzahl auf dem Tracker zu sehen.
Andere machen längere Pausen, holen den Tracker aber regelmäßig für ein paar Tage wieder hervor – das deutet darauf hin, dass die subjektive Empfindung über das eigene Verhalten mit einer objektiven Messung bestätigt werden soll.
Und wieder andere nutzen den Tracker nur wenige Wochen und lassen ihn dann liegen – hier haben die Nutzer keinen Wert aus der Nutzung gezogen.

Es gibt also nicht die einzig richtige Art, einen Tracker zu nutzen, sondern jeder Nutzer hat seine eigene Art und Weise.

Frage: Sind die Tracker wirklich nützlich ?

Es steht nicht nur die Förderung der körperlichen Aktivität bei der Nutzung im Vordergrund. Viele Anwender möchten ihr eigenes Verhalten besser verstehen und Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Werten, wie beispielsweise der Aktivität und dem Gewicht, erkennen. Die gesammelten Daten können sehr hilfreich sein, um anstehende Entscheidungen mit Bedeutung für die eigene Gesundheit zu unterstützen. Für den einen ist es der letzte Anstoß, um sich endlich einen Hund anzuschaffen und so regelmäßig raus zu kommen und andere nehmen die Auswertungen sogar zum Anlass, die nicht nur ungeliebte, sondern auch ungesunde Arbeitsstelle zu wechseln. Und als Teil der eigenen, persönlichen Gesundheitsakte können die Werte in Zukunft womöglich wichtige Hinweise auf Gesundheit und Krankheit geben.

Frage: Was können die Tracker wirklich ?

Fast alle Aktivitätstracker versprechen, auch den Schlaf messen zu können. Dazu werden sie am Arm getragen und messen die nächtliche Bewegung. Das klappt tatsächlich zwar überraschend gut, nur komfortabel und praktikabel ist das kaum. Wer sich für die Messung des Schlafes interessiert, sollte auf spezielle andere Geräte zurückgreifen, bei denen dünne Mess-Streifen oder -matten auf die Matratze geklebt oder darunter gelegt werden, so dass sie nicht als störend wahrgenommen werden, wenn sie Schlafdauer und –tiefe messen. Zusätzlich werden weitere Werte gemessen wie die nächtliche Ruhe-Herzfrequenz – für Sportler ein wichtiges Maß für Fitness – aber auch die Veränderung der Atem-Frequenz – sie kann für manche chronisch Kranke ein wichtiges Warnsignal sein.

Natürlich gibt es auch für alle „klassischen“ Gesundheitswerte mittlerweile vernetzte Geräte, zum Beispiel für Gewicht, Körperfettanteil, Blutdruck oder Blutzucker. Messergebnisse werden so automatisch gespeichert, das Führen von Tagebüchern entfällt, Fehl-Erfassungen werden verringert, und langsame Veränderungen wie eine schleichende Gewichtszunahme, werden über die Zeit erkennbar.

Frage: Wird man mit Aktivitätstrackern wirklich fitter ?

Ein Aktivitätstracker ist nur ein Werkzeug von vielen möglichen. Schrittzähler gibt es schon lange für wenige Euro zu kaufen. Allerdings kommt durch die Verbindung mit Apps und Web-Diensten – und der damit einhergehenden Datenerfassung – tatsächlich eine neue Qualität hinzu. So werden Veränderungen und Zusammenhänge deutlich. Ob das beim Nutzer etwas bewirkt, ob er sich deswegen mehr bewegt, hängt jedoch von vielen Faktoren ab:
Einer der wesentlichen ist, ob der Nutzer überhaupt eine Veränderung herbeiführen will. Wenn nein, dann wird auch ein Tracker nichts nützen.
Wenn die Bereitschaft jedoch da ist, kann die objektive Messung aber sehr wohl dazu führen, dass das Verhalten auch geändert wird. Das vorgegebene Ziel, zum Beispiel 10 000 Schritte am Tag zu gehen, wird dann angestrebt, wenn es vom heutigen Verhalten nicht zu weit entfernt ist. Ambitionierte, aber realistische Ziele sind wichtig

Fazit der Untersuchung: Aktivitätstracker sind sicher keine Wunderwaffe gegen Bewegungsmangel und Übergewicht. Ob sie etwas bewirken, liegt zunächst einmal am Nutzer und seiner Bereitschaft, eine Wirkung zuzulassen. Doch dann sind sie nützliche Werkzeuge für Gesundheit und Wohlergehen.

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