Bmw 503

Wie viel Luxus ist zu viel Luxus?

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Ausfahrt in Oberbayern: Tempo 60 fühlt sich im BMW 503er an wie 120. Bild: Stefan Weißenborn/dpa-tmn

Es stimmte alles. Und das war das Problem: Als der BMW 503 als großer Bruder des bekannten Roadsters 507 auf den Markt kam, war das eigentlich schon sein Ende. Denn der Luxusgleiter war selbst im Wirtschaftswunder-Deutschland zu teuer.

BerlinEs war die geballte Prominenz, die am 19. September 1957 aus Anlass der IAA vor einer langgestreckten Motorhaube fachsimpelte: Bundespräsident Theodor Heuss, Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und der Vorstandsvorsitzende der BMW AG Heinrich Richter-Brohm. Dass BMW jedoch überhaupt eine zweite Serie des 503 auflegte, war eher verwunderlich. Denn schon die erste Serie, gebaut ab 1955, entwickelte sich nicht gerade zum Verkaufsschlager.

Doch keimte bei BMW die Hoffnung, dass es noch etwas werden könne mit der von der Limousine 502 3,2 Liter Super abgeleiteten Modellreihe. Der 3,2 Liter Super war die hochmotorisierte Version des ersten Nachkriegs-BMW, der als „Barockengel“ in die Geschichte einging. Und damit war die Linie vorgegeben: Der 503 sollte als sportliches Modell die Vorkriegstradition großer BMW-Sportwagen fortsetzen.

Mit der Entwicklung der ersten Prototypen begann der Hersteller 1953 unter der Baumusterbezeichnung 503a. Weil der Wagen als 2+2-Sitzer konzipiert war, der letztlich auf eine stolze Fahrzeuglänge von 4,75 Meter kam, waren sowohl das Coupé als auch die Cabrioversion eher ein sportliches Luxusmodell als ein pures Fahrgerät. Parallel begann man nach Unternehmensangaben mit der Entwicklung eines Roadsters, dem 507, der heute eine Designikone ist.

Albrecht Graf Goertz zeichnete alle drei Modelle. Sein Handwerk gelernt hatte der junge Gestalter bei dem bekannten US-Industriedesigner Raymond Loewy, der die Coca-Cola-Flasche ebenso entwarf wie einen Greyhound-Bus. Goertz stach mit seinen Entwürfen sogar die Pläne des damaligen Leiters der BMW-Karosserieentwicklung, Kurt Bredschneider, aus. In den Augen der Vorgesetzten führte Goertz’ Detailgestaltung zu dem sportlicheren und eleganteren Auto.

Auf der IAA 1955 war es dann soweit: Der BMW 503 Coupé und das BMW 503 Cabriolet feierten ihre Weltpremiere. Unverändert vom 502 übernahmen sie das Fahrgestell mit dem 140 PS starken Leichtmetall-V8-Motor. Die elegante Aluminiumkarosserie indes war neu. Und begeisterte das Messepublikum als Innovation.

Noch heute zieht der Wagen in seinen Bann. Wer sich selbst einmal hinter das dünne Lenkrad in die weichen Ledersitze fallen lassen will, kann eines der wenigen erhaltenen Cabrios zum Beispiel beim EFA-Museum für Deutsche Automobilgeschichte im oberbayerischen Amerang im Rahmen von Oldtimer-Ausfahrten für ein paar Stunden mieten. Das Museums-Auto ist ein Cabrio von 1958, das entgegen der ersten Serie nicht mehr mit Lenkradschaltung, sondern einem am Motor angeflanschten Getriebe fährt, also einen Schaltknüppel besitzt.

Zum Starten des V8 ist ein wenig Fachwissen vonnöten. Der Motor springt nicht einfach per Schlüsseldrehung an. Hat man den Zündschlüssel im Schloss in Position gebracht, muss noch ein Startknopf gedrückt werden. Unter leichten Gasstößen etwas zögerlich erwacht das Alu-Aggregat zum Leben, bleibt während der Fahrt aber am Ball. Die Trommelbremsen erledigen ihre Arbeit überraschend gut. Auch schalten lässt sich das Auto ganz normal, nur vibriert der dünne Knüppel in der Mittelkonsole etwas nervös.

Die äußerst indirekte Lenkung dagegen erfordert im Vergleich zu heutigen Autos Eingewöhnung. In Kurven fühlt sich das Fahren des 503 trotz Einzelradaufhängung vorne fast so an, als müsse man ein Boot steuern - von Kurvenverhalten im modernen Sinne kann keine Rede sein. Tempo 60 fühlt sich eher wie 120 an, die laut altem Datenblatt möglichen 190 km/h im 1,5-Tonnen-Auto kann man sich gar nicht mehr vorstellen - zumal einem dann ganz schön der Wind um die Ohren blasen würde. Verdeck und die Fensterheber lassen sich elektrisch betätigen, absoluter Luxus für die damalige Zeit.

Doch weder Schönheit noch Sportlichkeit oder die moderne Ausstattung genügten. Der wirtschaftliche Erfolg des 503 wollte sich nicht einstellen. Zu hoch war der Preis, selbst im Wirtschaftswunder-Deutschland. Anfangs verlangte BMW 29.500 D-Mark, mit der zweiten Serie ab 1957 wurde der Preis auf 32.950 D-Mark angehoben. Auch das erhoffte Exportgeschäft des rollenden Luxusgutes in die USA blieb aus. Von Mai 1956 bis zum Produktionsende im Frühjahr 1960 liefen lediglich 412 Exemplare vom Band, 273 Coupés und 139 Cabriolets, so die offiziellen Zahlen aus dem BMW-Archiv.

Dass der 503 schon zu Lebzeiten so selten war, beschert ihm heute extreme Wertzuwächse. Zwischen 2006 und 2017 hat das Cabrio nach Angaben des Marktbeobachters Classic Data in Bochum im Wert um drei Viertel zugelegt (75,32 Prozent). Noch vor zehn Jahren lag der ermittelte Preis für ein Cabrio im Zustand 2 bei 154.000 Euro, derzeit notiert es mit 270.000 Euro (Coupé: 190.000 Euro). Geschäftsführer Marius Brune sieht in dem BMW-Klassiker deshalb eine gute Wertanlage, doch im Vergleich zum weit wertvolleren Roadster 507 sei er „unterbewertet“.

Seinerzeit wurde der 503 erst einmal von seinem Nachfolger 3200 CS abgelöst, der die damals schwierige finanzielle Lage von BMW aber auch nicht behob. Der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens wurde erst mit der Modellreihe 1500 eingeläutet, die Anfang der 1960er Jahre auf den Markt kam.

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